Natur und Kultur

Wir entscheiden uns gegen die Fahrt über die Pässe nach Cachi und für die vermeintlich langweiligere Strecke, direkt nach Cafayate, denn in den Bergen sieht es wettermässig duster aus.

 

Aber ohalätz, langweilig ist anders. Das breite Tal verschmälert sich zusehends, die grandiosen Felsformationen rücken näher und die Quebra del Rio las Conchas, entpuppt sich auf den nächsten 60 km als eine der formenreichsten, Buntsandsteinschluchten Argentiniens. 

 

Als wir aus der Schlucht auf die Hochebene rauskommen, lassen wir den Blitz und Donner hinter uns, dafür empfängt uns ein veritabler Sandsturm.

 

Angekommen in Cafayate sind die Menschen daran, die Strassen, Plätze und Restaurants vom Sand zu befreien. Wir übernachten auf dem Camping Municipal, wo sich bereits Andrea und Jürgen niedergelassen haben, die das Wetterspektakel hautnah miterlebt haben. Sie meinen: " Wir dachten, da käme ein Tornado."

Zuerst stehen heute die Ruinen von Quilmes auf unserem Programm. Ein weiteres unrühmliches Zeugnis der Konquista auf argentinischem Boden. Den kriegerischen Stamm der Kilmes hatten die Spanier erst 1667, am Ende des 35-jährigen Cachaqui-Krieges gegen die Indigenas durch Aushungern besiegen können. Das geknechtete Volk musste zu Fuss bis zur La-Plata-Mündung laufen, wo es in seiner neuen Zwangssiedlung, das eigene Aussterben beschloss.

 

Beim rumkraxeln in den Ruinen, die ziemlich steil im Berghang liegen, sind wir froh, ist der Himmel bedeckt und die Temperaturen nur noch um 15 Grad.

In Amaicha del Valle besuchen wir das Museo de la Pachamama, eines der grössten Museen für indigene Kultur in Argentinien. Gestaltet wurde es von dem Künstler Hector Cruz, der sich auf diese Weise mit der Geschichte seiner indigenen Vorfahren auseinandersetzte.

 

Der prachtvolle Museumspark muss sich, wer in der Nähe ist, unbedingt ansehen. Total schön und einzigartig.

 

Ein Aufpasser schliesst für uns die Räumlichkeiten mit den kunstvollen Teppichen und Gemälden des Künstler auf. Da drin ist das Fotografieren allerdings verboten.

 

Wir übernachten auf 2500m, im Zentrum von Amaicha del Valle, direkt an der Plaza. Die Saison ist vorbei, die Restaurants fast alle geschlossen, das Gemüse in den Geschäften nicht sehr "amächelig", aber wir haben ja noch Steaks, Pasta und Tomaten für einen Salat, an Bord.

 

Die Dorfjugend lümmelt sich am Abend mit ihren Smartphones um und im Platz herum, denn hier gibt es freies und erst noch recht schnelles Internet. Aber im Internet surfende Menschen sind ja eher ruhig. Einzig ein paar "Mofarowdies" stören Alois Nachtruhe.

Bei strahlendem Sonnenschein, aber kühlen 12 Grad, fahren wir den eher kargen Pass auf etwas über 3000 hoch, dann geht es runter auf 2000 m nach Tafi del Valle mit seinen Hunderten von Landhäusern der Sommerfrischler.

 

In El  Mollar, auf der anderen Seite des Stausees, lassen wir uns den Parque de los Menhires natürlich nicht entgehen. 114 Granitsäulen mit Ritzzeichnungen der Tafi Kultur    ( 4.Jhd.v.Chr. - 9.Jhd. n. Chr)  stehen am Hang.

 

Auf immer noch fast 2000m Höhe, im Quebra Rio los Sosas eröffnet sich uns eine ganz andere Welt, denn wir sind nun umgeben vom Tucumanischen Regenwald, einem dampfenden Urwald der von Flechten, Moosen und Baumschmarotzern nur so strotzt. Runter durch die Schlucht erreichen wir das fruchtbare Tiefland und eine der bevölkerungsreichsten Regionen Argentiniens.

 

Aus San Miguel de Tucuman, das wir uns eigentlich ansehen möchten flüchten wir mal wieder ziemlich entnervt und stellen uns schliesslich an den Stausee in Termas de Rio Hondo, wo wir uns lediglich mit den Mücken rumschlagen müssen.

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