2.bis 09. September      Kiew - Lemberg

Freitag, 2. September irgendwo bei Markarjv bis irgendwo anders auf der Landstrasse

 

Innerhalb von 2 Stunden ist das Puzzle gelegt und geklebt. Einzig ein Plastikstück von 2 Zentimetern in der Mitte fehlt. Das Fenster lässt sich wieder öffnen und Alois sieht auf seiner Seite sogar noch ein bisschen raus.

 

Weiter nach Westen auf der gutausgebauten Schnellstrasse, entlang von Feldern Richtung Zytomir . Dort biegen wir nach Süden ab und lassen die grossen Städte links liegen. Einzig in Vinnytsia machen wir einen Zwischenhalt zum Einkaufen und staunen nicht schlecht über die blauen Trams. Werden wohl unsere Züriträmli hierher exportiert, wenn sie ausgedient haben?

 

Es ist wieder richtig ländlich. Kühe, Hühner, Ziegen, frisches Obst und Gemüse am Strassenrand und Bänkli an den grün oder blau gestrichenen Zäunen zur Strasse.

 

 

Wir finden für die Nacht einen Platz bei einer 24 Stunden Tankstelle mit Motel.

 

Samstag, 3.September     Irgendwo auf der Landstrasse bis zu einem Badesee im Moorgebiet im Irgendwo.

 

An einem Badesee im Moorgebiet dürfen wir reinfahren und uns installieren. „ Bezahlen nein, das ist  ein Geschenk.“  Das wollen wir nicht und geben den Leuten knapp 2 Euro. Sie meinen: „OK, Das ist für Dinner.“  Wir denken natürlich für ihr Dinner, aber oha. Nach zwei Stunden erscheint die ganze Mannschaft und stellt uns gebratene Fische und Kartoffeln auf den Tisch. „ Danke vielmals,“ und wieder wechselt eine Flasche Wein aus Cricova den Besitzer.

 

Wir ruhen aus, waschen Wäsche, schwimmen, spielen Boule und bekommen Besuch vom Fohlen, das mit seiner festgemachten Mutter auf der Wiese neben uns steht.

Beim Eindunkeln sind nur noch wenige Zeltler am See und die Gänse-, oder Entenjäger sind am Werk.  Bald wird es still.

 

Sonntag, 4. September  Badesee bis Kam´janec´Podil´s´ky

 

Unser heutiges Ziel ist nach zwei Stunden erreicht. Die Stadt mit ihrer Festung gehört zum Weltkulturerbe. Heute ist hier ganz schön was los. Viele junge Rucksacktouristen sind unterwegs. Aha, ein Musikfestival wird veranstaltet.

 

Wir machen mal ein Sightseeing der speziellen Art. Alois:" Das ist doch nur was für junge Leute." " Ach was, wir sind schliesslich noch nicht scheintot."

 

Später fahren wir für die Nacht auf TIR Parkplatz. Morgen möchten wir noch die Festung besuchen.

Montag, 5. September Kamenzkyj Podil bis Tschernowitz

 

Heute ist der Tag der Festungen. Die Festung liegt auf einer Halbinsel, gut geschützt durch den Fluss, der sich vor Millionen vor Jahren 40m in den Kalkstein gegraben hat.

 

Nur zweimal wurde diese erobert. 1393 durch die Litauer und 1672 überwältigten sie die Türken. Die Räume sind leer, aber man darf überall rumklettern, zum sehr Teil abenteuerlich.

 

20km südlich liegt die Festung Chotyn an der Dnister. Sie wurde gar nie eingenommen. Die grösste Bewährungsprobe bestand sie 1621, als 57´000 Polen mit 40´000 Kosaken ein Heer von 400´000 Türken besiegten. In der Sowjetunion wurde Chotyn zum Filmstar. Ueber 50 Filme wurden hier gedreht.

 

 

Bei Tschernowitz finden wir im Naturschutzgebiet ein Uebernachtungsplätzchen neben einer Ferienanlage.

Dienstag, 6. September Tschernowitz

 

Die historische Hauptstadt der Bukowina mit seinen Herrenhäusern aus der KuK Zeit und der Fussgängerzone wird von vielen jungen Leuten belebt.

 

Kein Wunder, ist hier doch auch die Universität, ein Weltkulturerbe angesiedelt. Gebaut wurde diese zwischen 1864-84 als Bischofssitz, erst in der Sowjetzeit bezog die Universität die Räumlichkeiten.

 

Wo übernachten? Nicht im Zentrum. Wir fahren über die Brücke am Pruth, sehen Autos, Badende, Fischer, Picknicker am Ufer und gesellen uns zu ihnen. Nach einem erfrischenden Bad im Fluss werden wir in der Nacht einzig von einigen Liebespärchen gestört, oder wir stören sie, sonst ist alles ruhig.

 

Mittwoch, 7. September Tschernowitz bis Jaremtsche

 

Zwischenhalt in Kolomnya. Im Eiermuseum, gibt es Tausende von bemalten Eiern zu bestaunen. Das Huzulenmuseum, das weit und breit das Schönste seiner Art sein soll, besuchen wir natürlich auch. Ein schönes Städtchen mit einer ausgedehnten Fussgängerzone.

 

Alois fühlt sich grippig, trotzdem fahren wir noch entlang der Pruth bis nach Jaremtsche, rein in die Karpaten in die heimliche Hauptstadt der Huzulen. Wollen wir doch diesen Volksstamm in echt sehen. Die Huzulen sehen genauso aus wie alle anderen Menschen und der Ort ist nicht spektakulär, aber die Holzkirche ist wirklich sehr gepflegt und innen ohne Schnickschnack, sehr schön gestaltet. Auch ist die Gegend wieder richtig grün, nach all dem vertrockneten Gras die letzten Monate ganz speziell. Ich besichtige die Kirche und Alois trinkt ein Grippemittel.

 

Am Oberlauf der Pruth finden wir ein schönes ruhiges Plätzchen. Zum Nachtessen gibt es Steinpilzrisotto, aus getrockneten Steinpilzen, die wir an der Strasse erstanden haben. Zum Dessert gibt es für Alois noch ein Grippepülverchen.

Donnerstag, 8. September        Jeremtsche bis Irgendwo an einem abgeernteten Feld

 

Ich möchte hierbleiben, da ich mich inzwischen auch grippig fühle. Alois will weiter. Wir nehmen beide ein Pülverchen und fahren wieder raus aus den Karpaten bis rein ins Zentrum von Iwano-Frankiwsk.

 

Im Kaffee zünde ich eine Zigarette an. Alois hüstelt und wedelt mit der Hand vor mir rum. „  Dann setz ich mich halt an den Nebentisch,“ sag´s und tu´s. Zum Glück kommt sein gewaltiger Hustenanfall erst, als ich schon weg bin.

 

Die Stimmung kühlt merklich ab. Eine halbe Stunde später meint Alois: „ Gib mir eine Zigarette“.“ Nein, kommt nicht in Frage, ich rauche die letzten alleine und nachher wird wieder gedampft.“  Schliesslich haben wir uns vorgenommen, nur zwischen Alois und meinem Geburtstag zu rauchen, weil die Zigaretten hier so billig sind. 50 Ct. pro Packung. Wir getrauen uns auch nicht, welche mit nach Hause zu nehmen für die Raucher, denn sind sie im Auto, werden sie weggeraucht.

 

Eine sehr schöne Stadt mit einer riesigen Fussgängerzone. KuK Flair ist seiner Reinkultur. Sehr imposant das Rathaus auf dem grossen Platz mit seinem Turm, den wir beide nicht erklimmen mögen. Ich schleppe mich noch zur Auferstehungskathedrale, nachher suchen wir uns einen Platz zum Uebernachten. Am See gibt es keine Möglichkeit sich hinzustellen. Ueberall Barrieren. Nach einer halben Stunde vergeblichen Versuchens fahren wir aus der Stadt raus.

 

Auch am nächsten See in Stryi, viele Kilometer weiter, können wir nicht am See parken. Irgendwie ist hier alles anders, so geregelt. Für Alois gibt es zwischenzeitlich noch ein Pülverchen.

 

Die Stimmung ist inzwischen im Tiefkühlmodus. Apropos Tiefkühle, unser Kühlschrank funktioniert seit ein paar Tagen wieder wie er soll: Der Kühlschrank kühlt und das Gefrierfach gefriert. Die Temperaturen sind des nachts um die 15 Grad und während des Tages selten über 30 Grad.

 

Alois fährt und fährt. Ich denke: „ Sag mir einfach, wenn wir Zuhause sind.“ Er erbarmt sich dann doch und fährt von der Strasse weg zwischen den Bäumen durch, neben ein abgeerntetes Feld.

 

 

Vor dem Schlafen gibt es wieder ein Pülverchen für uns beide und ein schweigsamer Tag geht zu Ende.

Freitag, 9. September         Abgeerntetes Feld bis  Lemberg ( Lviv)

 

Gut geschlafen und mit den letzten Pülverchen und aufgetauter Stimmung geht es weiter nach Drohobytsch.

 

Das Zentrum ist nicht so einfach zu finden.

 

Zuerst stossen wir auf die Georgskirche. Die Holzkirche gehört zum Weltkulturerbe. Drinnen reichen die Malereien bis unter das Kuppeldach. Kein Plätzchen ist frei von Heiligen und Geschichten. An einer Stelle sind die Restauratoren am Werk. Die Kassafrau kommt rein. Fotografieren sollen wir drin nicht. „ Aber Alois hat doch bezahlt.“  „ Nur draussen darf fotografiert werden, schaut hier könnt ihr Bildchen kaufen.“ „  Nein will ich nicht und die Fotos sind sowieso bereits gemacht.“ Die Zweite Holzkirche finden wir schnell. Die ist aber gut abgeschlossen.

 

Auch in dieser Altstadt gibt es eine verkehrsberuhigte Zone. Markt drum herum. Eine grosse Kirche mittig und Männer die auf den Bänken davor Schach spielen.

 

Wir brauchen noch mehr Grippemittel. In der Apotheke bekommen wir dieses. Apotheken und Tankstellen gibt es in der Ukraine zuhauf.  Beim nächsten Pausenstopp meint Alois:“ Dieses Pülverchen schmeckt genauso wie die anderen.“  Gut so.

 

Kurz vor Lemberg sichten wir einen Autoabbruch. Da gibt es vielleicht einen passenden rechten Aussenspiegel für unser Womo. Gibt es tatsächlich und für 25 Euro hat dieser den Besitzer gewechselt.

 

In Lemberg auf dem bewachten Parkplatz im Zentrum wird zuerst mal der Spiegel ersetzt. Wir möchten den Stellplatz wechseln, damit wir Satellitenempfang haben. Der Wächter will mehr Geld. Alois hat kein Musikgehör und so bleiben wir halt wo wir sind, obwohl es noch viel freien Platz gibt. So ein A….. mit Ohren.