23. bis 26.September Istanbul - Safranbolu

Dienstag, 23. September Istanbul bis Karasau

 

Vermutlich bräuchte man ein halbes Jahr um das ganze, quirlige Istanbul zu erkunden. Aber ich hab vier Blasen an den Füssen, nachts hats geregnet und wir haben genug viele Leute gesehen, also fahren wir los ans schwarze Meer. 

 

Bewunderswert wie Alois uns heil durch das  Verkehrschaos auf die asiatische Seite chauffiert. Bereits nach einer Dreiviertelstunde sind wir wieder fast alleine unterwegs.

 

In Sile kommen wir an's Meer und fahren Richtung Osten nach Agva. Dort möchten wir eigentlich auf dem Campingplatz bleiben. Na, ja, dieser Platz macht mich überhaupt nicht an und überhaupt verschlechtert sich das Wetter allmählich. Also im Dörfchen, mal wieder Fisch essen. Beim Kaffee in einer Bäckerei daneben, werden uns Süssspeisen geschenkt. Sogar zum Lammeintopf möchten uns die netten Leute noch einladen, aber wir sind leider bereits mehr als satt.

 

Wir flüchten weiter vor dem Wetter, mal geht's rauf und gleich wieder runter. Die Strasse ist zum Teil glitschig vom Dreck und die Räder spulen mehr als einmal durch. Alois und das Womo sind wieder echt gefordert. 

 

Vor Karasu im Fischerhafen geben wir auf und suchen uns ein einigermassen windgeschütztes Plätzchen zum Uebernachten am Fluss. Der Orkan mit Starkregen hält 2 Stunden an. Alois schläft friedlich, währendessen ich hoffe, dass wir nicht davonfliegen. Dann ist der Spuk vorbei und wir können uns in einem der zahlreichen Restaurants am Fluss endlich wieder mal mit Fisch verwöhnen lassen. Der Wirt war 10 Jahre in Deutschland und hat sich mit dem Ersparten das kleine Beizchen am Fluss eingerichtet. Die Leute, die wir bisher in der Türkei erlebt haben, sind wahnsinnig freundlich, ohne aufdringlich zu sein. Toll!

 

Der Muezzin ruft zum Gebet, begleitet durch einen Hund. Sowas haben wir noch nie gehört, geht richtig unter die Haut.

 

Dann mal gute Nacht!

 

 

 

 

 

Mittwoch, 24. September Karasu - Mengen

 

Beim Aufstehen scheint wieder die Sonne und der singende Hund begrüsst mich schwanzwedelnd. Nur das Meer ist noch sehr stürmisch. Die Fischerboote fahren nicht raus.

 

Gestern dachten wir, dass wir soviele Haselnusssträucher noch nie auf einmal gesehen haben, aber heute werden wir eines besseren belehrt. Die ganzen Hügel sind bedeckt, soweit das Auge reicht. Anscheinend wird fast die ganze Welt mit Haselnüssen aus diesem Gebiet beliefert. Wir glauben's sofort. 

 

Alois:" Lass uns durch die Berge, in den Nationalpark fahren. ist sicher toll mit den Seen und Seerosen." " Bist du sicher, nach den gestrigen Unwettern". "Ja!"

 

Gesagt, getan. Es geht steil bergan, die Strasse ist schmal und Alois meint mehr als einmal:" Wenn das nur gutgeht und wir nicht wieder alles zurückmüssen:" 

 

Die Gegend ist wild und wirkt völlig unberührt. Zum Glück fast kein Verkehr. Das kreuzen wäre oftmals nicht möglich. Geschafft. Wir fahren in den Nationalpark ein. Die ersten 3 km geht es gut, bis plötzlich grosse Steine im Weg stehen. Wir stoppen und schon pfeift es von weiter oben. Ein Mann steht da und fuchtelt mit den Armen. Alois steigt aus. "No, no, no" ruft es von oben runter. Alois begutachtet die Strasse, diese ist von einer dicken Sandmasse verdeckt. Also wenden, was gar nicht so einfach ist. Wir drohen bereits hier zu versinken. Alois:" was für Trottel, die könnten doch bereits bei der Einfahrt Steine über die Fahrbahn legen."

 

Richtung Osten fahren wir auf der unbefestigten Strasse bis kurz vor Mengen, wo wir ein ruhiges Stellplätzchen für die Uebernachtung entdecken. 

 

Absolute Stille und stockdunkle Nacht, einzig ein paar Sterne glitzern am Himmel. Der Hund, der bei unserer Ankunft, die Fehlkaufwürste zu essen bekommt, bewacht unseren Schlaf. 

Donnerstag, 25. September Mengen - Safranbolu

 

Auch am Morgen ist es absolut still. Wir hören das Flügelschlagen des grossen Vogels, der über uns kreist.

 

In Eskipazar ist heute Markttag, also weiter über Hügel und durch Täler. Wir haben das Gefühl durch den Jura zu fahren. Absolut kein Verkehr. Einfach nur friedlich, mit tiefenentspannten Kühen und Hunden.

 

In Eskipazar herrscht reges Treiben. Wir essen gut und günstig Z'Mittag und werden vom Nebentisch auf Deutsch begrüsst. Eingedeckt mit frischen Früchten und Nüssen fahren wir nun flott auf der breiten Strasse nach Safranbolu, ein Unesco Weltkultur Erbe Städtchen.

 

Was für ein Zufall, nein natürlich nicht. Hier auf dem Superstellplatz treffen wir Sus und Franz unsere Tessinerfreunde. Sie sind auf der Rückreise ihrer Türkeirundreise und wir ganz am Anfang. Umarmung und herzliche Begrüssung. Bei türkischem Kaffee erstes grosses Palaver und Austausch der Reiseerfahrungen. 

 

Später Rundgang durch die pontische Stadt. Früher eine Karawanserei auf dem Seidenweg, später durch Safranabau reich geworden, zeigt sich das reizende, rausgeputzte Touristenörtchen von seiner besten Seite. Wir sind alle begeistert. Beim Nachtessen in einem der zahlreichen kleinen Beizen, werden wir von Franz in die Geheimnisse der Esskultur des Lande eingeweiht, mhhhhh. 

 

Bei Wein und in unserer guten Stube, lassen wir den Abend ausklingen.

 

Freitag, 26. September Safranbolu

 


Sus und Franz hängen noch einen Tag an, denn hier gibt es noch viel zu sehen.

Aber zuerst wird mal grosse Wäsche gemacht  und die Homepage aktualisiert, bevor wir uns wieder auf die " Läutsch" machen.

 

Wir marschieren auf den grossen Hügel vor dem Stellplatz, um auf die gegenüberliegende Seite zu gelangen. Endstation mit herrlicher Aussicht. Wieder zurück und um den felsigen Hügel rum, erreichen wir das angepeilte Ziel mit wiederum herrlicher Panoramasicht über die Stadt, diesmal von der gegenüberliegenden Seite.

 

Einblick in eine 2-stöckige Villa. Anordnung der Zimmer immer gleich. Auf jedem Stock vier grosse Räume, mittig ein grosser Gemeinschaftsraum. Wir machen es den türkischen Touris gleich und mischen uns für Fotos unter die Puppen. Bei uns undenkbar, einfach spassig.

 

Beim Nachtessen kommen wir mit einem Taiwanesen ins Gespräch, der die Türkei als Individualreisender mit dem Bus durchfahren hat. Er ist erstaunt über unsere Reisefreudigkeit, denn die Schweiz ist für sie das Paradies schlechthin und wer will dieses schon freiwillig verlassen.