27. September bis 4. Oktober Safranbolu - Trabzon

Samstag, 27. September Safranbolu - Amasra

 

Schweren Herzens, jedoch versehen mit Supertipps, einer vollständigen Türkeikartei und einem hervorragenden Türkeireiseführer, trennen sich unsere Wege. Tausend Dank! Sus und Franz heimwärts und wir weiter auf unserer Reise durch dieses riesige Land.

 

Wir machen drei Ehrenrunden durch das neue Safranbolu, mit Mittagessen dazwischen, bis wir den richtigen Abzweig zur Cave Bulak finden, die sich nur 8 km von der Ortschaft entfernt befindet. Die " Strasse" ist in einem sehr abenteuerlichen Zustand. Gerade rechtzeitig, als wir zuhinterst im Tal ankommen, beginnt es zu donnern. Also "schnell" den steilen Anstieg hoch zum Eingang und hinein in die eindrückliche Höhle. Jede Ecke ist gut ausgeleuchtet und dazwischen gibt es Lautsprecher die sehr diskret immer alles erklären, leider für uns unverständlich. Nach einem Kilometer ist der Weg für uns fertig, die weiteren 5 km bis zum unterirdischen See müssten mit Kletterausrüstung ekundet werden.

 

Beim Rauskommen haben sich die Himmelsschleusen geöffnet und der Abstieg über die glitschigen Steine ist nicht ganz einfach. Der Regen lässt bald nach. 

 

Nun aber nordwärts nach Amasra zum schwarzen Meer. Der Anblick von oben ist überwältigend. Steil geht es runter bis zum Parkplatz direkt am Wasser. Kurzer Rundgang durch das kleine touristische Städtchen, mit dem Kastell, das ebenfalls ein Unesco Welterbe ist. Morgen haben wir ja noch genug Zeit für eine genauere Erkundung.

 

Sonntag, 28. September Amasra

 

In der Nacht beginnt es zu stürmen und zu schütten. Hört auch den ganzen Vormittag nicht auf. " Das schwarze Meer mag uns wohl nicht!" Der Hunger treibt uns am Mittag, trotz anhaltendem Regenfall hinaus aus dem Camper und hinein ins Städtchen. Auf einer gedeckten Terrasse sitzen wir nun gut geschützt und lassen das Schauspiel auf uns wirken, homepagen, internetlen und sehen gerade auf einem Foto, dass unsere Deutschen Freunde in Tebriz im Iran angekommen sind!

Montag, 29. September Amasra

 

Da Amasra das schönste Städtchen an der Schwarzmeerküste ist, gemäss Reiseführer, bleiben wir noch einen Tag hier und lassen die ruhige, friedliche Atmosphäre auf uns wirken, zumal heute das Wetter etwas besser ist.

Dienstag, 30. September Amasra - Doganyurt


Bei schönstem Wetter wenden wir uns Richtung Osten, alles der Küste entlang. Einfach fantastisch. Steilküste, kleine Buchten, Fischerdörfchen. Wir können uns fast nicht sattsehen. " Mal ufe, mal abe, mal links, mal rechts", endlos.

Es stehen viele Nussbäume, Kirschbäume und Apfelbäume links und rechts der Strasse. Die Kastanienernte läuft auf Hochtouren. 

 

" Jetzt hab ich aber langsam Hunger". Kein Restaurant in Sicht. Also im nächsten Dörfchen Brot und Käse einkaufen, ein Plätzchen suchen und picknicken, bei schönster Aussicht.

 

In Doganyurt richten wir uns am kleinen Fischerhafen für die Nacht ein. 

Mittwoch, 1. Oktober Doganyurt - Sinop

 

Ein klarer aber 10 Grad kalter Morgen erwartet uns beim Aufstehen. Mit der Sonne wird es aber bald wieder warm.

 

Weiter geht's mit Auf und Ab, bis zum nördlichsten Punkt der Türkei. Sinop ist das Antalya der Schwarzmeerküste. Nach den beschaulichen zwei Tagen, ein echtes Kontrastprogramm. Leuchtreklamen, Musik aus den Beizen, Ausflugsschiffe und ganz viele Läden. Sogar einen Stick für's Internet können wir hier käuflich erwerben. 

Donnerstag, 2. Oktober Sinop - Terme

 

Jetzt ist uns klar, warum der Holländer gestern abend vom Parkplatz weggefahren ist. Ab 4 Uhr morgens wird dieser als Umschlagplatz für die Lastwagen benutzt. Ab-, um- und aufladen was das Zeug hält.

 

Der Himmel ist bedeckt, zwar nicht so kalt wie gestern früh, aber doch Zeit zum Weiterfahren.

 

Ab Sinop gibt es eine Schnellstrasse,  ist eine angenehme Abwechslung zu den letzten beiden Tagen. Zum Teil wurde Land aufgeschüttet, um die Strasse der Küste entlang zu ermöglichen.

 

Ich möchte Samsun, die 600 000 Einwohner grosse Industriestadt, ebenfalls grossräumig auf der Schnellstrasse umfahren. Nicht so Alois: “ Da will ich durch.“ Oh, Schreck oh, graus, aber was ist denn das? Ein Rieseneinkaufscenter mit einem Mediamarkt und einer Migros! Da müssen wir rein. Vielleicht gibt es da ein Ladekabel ohne Wackelkontakt für’s Tablet. Gibt es nicht. Vielleicht in einem Jahr, meint der freundliche Verkäufer grinsend.

 

Aber die Migros! Dutti der Gründer mit seinem Verkaufsladenauto, hätte das im Leben nie geglaubt, dass er es bis in die Türkei schafft. Alkohol und Zigaretten werden hier ebenfalls verkauft,  ist ja logisch gibt ja keinen Denner daneben. Aber Tilsiter, Appenzeller und Emmentaler ist nicht.

 

Endlich wieder raus aus der Grossstadt möchte ich unbedingt in’s Amazonenland. In der Region Terme, ehemals Themiskyra haben sie ihr Unwesen getrieben.  Männer wurden nur zur Fortpflanzung von anderen Stämmen geraubt. Männliche Kinder entweder sofort nach der Geburt getötet, oder als Sklaven gehalten. Irgendwann wurden diese Weiber ausgerottet, man weiss nicht wie und wann.

 

Das Schwemmland der Halbinsel ist sehr fruchtbar. Anscheinend wächst hier in diesem subtropischen Klima einfach alles. Auberginen sollen 3 kg schwer werden. Kanäle durchziehen die Ebene. Wir finden nach etlichen Kilometern durch „ Spreewald“ fahren ein trockenes Plätzchen zum Uebernachten.

 

Wir bekommen zwei Mal Besuch. Zuerst von einem einzelnen Motorradfahrer. Eine Stunde später kommen sie zu zweit und gucken durch’s  Fenster wie wir Fernseh gucken. Da wir jetzt weiter im Osten sind kommen nur noch wenige Programme rein. Trickfilmsender, Sportsender und interessanterweise der WDR und Radio Bremen. Das reicht allemal.

 

„ Alois, da ca. 100 m von uns entfernt bewegen sich Menschen mit Taschenlampen, wollen wir nicht lieber das Weite suchen?“ „ Ach was, die sind am Fischen.“ „ Wenn du das sagst.“  Wir schlafen wunderbar.

 

Freitag, 3.Oktober  Terme – Ordu

 

Morgens sind wir nicht lange alleine. Zuerst begrüssen uns zwei ältere Herren, die sich für unseren Satelliten interessieren.  Eine Bäuerin möchte wissen wo wir schlafen und kochen. Bald darauf hält ein Lieferwagen, der uns mit frischem Brot versorgt. Den angebotenen Tee, schlägt Alois aus. „ Ich hab’s doch gesagt, die Leute sind bloss neugierig, denn wann verirrt sich schon ein Camper hierher?“

 

Wieder auf der Schnellstrasse, geht’s durch Tunnels und durch Haselnussplantagen nach Ordu.

 

 „Wow, sieh mal, mitten über der Stadt eine Luftseilbahn.“  Diese wurde 2011  eröffnet, um kräftesparend den 600 m hohen Hausberg Boztepe zu erreichen. Schnell sind wir oben. Alois:“ Hier wäre es ja wunderschön, wenn das Wetter schön wäre.“  Das Essen in luftiger Höhe ist hervorragend und mit insgesamt 20 Euro auch erschwinglich.

 

Normalerweise bevorzugen wir die kleinen Locanti, Beizlein in denen die  frisch zubereiteten Mahlzeiten bestehend aus Fleisch und viel Gemüse direkt ausgesucht werden können. Salat, Brot und Wasser gibt es immer dazu. Es ist egal, für was man sich entscheidet, es ist alles einfach lecker. Das ganze kostet uns jeweils insgesamt zwischen 6 und 8 Euro!

 

Wir möchten in Ordu, auf dem Parkplatz am Meer, direkt neben der Seilbahn über Nacht stehen bleiben.

 

Gegen Abend schlendern wir bei leichtem Nieselregen, mit Tausenden anderen durch die Fussgängerzone und bestaunen die fröhlichen, modernen und sexy gekleideten jungen Leute ohne Kopftücher.

Samstag, 4. Oktober Ordu – Trabzon

 

In der Nacht beginnt der Kühlschrank zu „ tiggele“, Gasflasche leer. Am Morgen erstaunlicher Weise schönes Wetter, entgegen den Prognosen.  Als wir den Parkplatz bezahlen möchten, lacht der Parkplatzwächter, zerknüllt den Zettel und wünscht uns eine schöne Weiterreise. Alois gibt ihm 5 TLR und wir fahren etwas irritiert, aber durchaus zufrieden weg.

 

Jetzt erstmal auf die Suche nach einem Gaswerk. Schnell werden wir fündig. Der freundliche Mensch im Wächterhäusschen gibt uns zu verstehen, dass geschlossen ist und zeigt uns 4 Finger. Was soll jetzt das heissen? 4 Stunden oder heute dem 4. Oktober geschlossen? Wir haben ja noch eine volle Flasche und fahren erstmal weiter der Küste entlang. Vorbei an Giresun. Da wir hier keine Parkplatzmöglichkeit finden, lassen wir die hübsche Ortschaft am Fels links liegen, von der Lukullus bei seiner Belagerung im 1. Jhd. vor Chr. das erste Kirschbäumchen mit nach Europa gebracht hat.

 

 

Uns fällt auf, es sind alle Läden geschlossen, die Lokanti sind geschlossen, auf den Strassen praktisch kein Verkehr, kein Lastwagen ist unterwegs, aber immer wieder werden direkt auf Plätzen und am Strassenrand Lämmer und Rinder geschlachtet. Das muss wohl wirklich ein spezieller Feiertag sein.

In Trabzon heisst es Tschüss Schwarzmeerküste, ohne dass ich ein einziges Mal nur einen Fuss darin gebadet habe!  

 

 

Hinein in die Berge.  Schon wieder viele Autos auf einer Brücke und eine Menschenansammlung. „ Halt an,  wir möchten doch noch ein Foto machen vom Schlachten.“ Wir halten betrachten die Szene und beratschlagen immer noch, was das wohl für ein besonderer Tag ist, erklärt es von hinten: „ Das ist das islamische Opferfest, der zweitgrösste Anlass nach dem Ramadan ( Ramazan in der Türkei). Es dauert 4 Tage! Ist wie Weihnachten. Macht besser kein Foto, ich weiss nicht, ob die das mögen.“ Die charmante Türkin, die seit 40 Jahren in Gerlafingen lebt und arbeitet, ist auf Urlaub. Im Restaurant bei Köfte weiss sie noch so vieles zu erzählen. Als wir zahlen möchten, hat sie bereits alles erledigt. Uns ist das gar nicht recht, aber es ist nichts zu machen. Im Frühling sind wir wieder in der Schweiz, haben ihre Adresse und werden uns ganz sicher revanchieren.