7. bis 11. Oktober Dogubayazit - Pinarbasi

Dienstag, 7. Oktober Dogubayazit - Akdamar

 

Morgens in der Frühe, noch auf der Fahrt runter in die Stadt, erspähen wir den Ararat, der vermutlich schon gestern hier war und sich einfach vor uns versteckt hat. So diese Suche wäre erledigt.

 

Die Feiertage sind vorbei und wir erkundigen uns bei der Tankstelle nach dem Gaswerk. Ihr braucht Gas? Wieviel? Schnell hat er den Adapter geholt und die Flasche gefüllt. Ich komme nicht mal dazu ein Foto zu machen so ruckzuck ging das. Oberdrauf gibt es noch einen Cay ( Tee). Danke vielmals und tschüss.

 

Das mit dem Daumen runter klärt sich auch alsbald auf. So wird angezeigt, dass es günstigen, geschmuggelten Treibstoff am Strassenrand zu kaufen gibt! Leider haben wir erst gestern getankt und 10 Liter aufzufüllen macht keinen Sinn. 

 

Ueber den Tendürek Pass 2640m vorbei an der bizarren Lavalandschaft und kleinen Dörfchen, fahren wir Richtung Südwesten hart an der iranischen Grenze entlang. Auf den Berkuppen zu unserer Linken Wachttürme und Militärs der Türken. In dieser Region kennen die Menschen nur einen Reichtum, das ist die Armut. Als wir einen kurzen Fotohalt einlegen, hängen innerhalb von 30 Sekunden vier dreckige und zerlumpte Kinder am Camper, die Geld wollen. Zwar tut es uns im Herzen weh, aber mit viel Gehupe fahren wir weg und halten die nächsten 70km auch nirgends mehr an.

 

Wir wenden uns nun endgültig gegen Westen und treffen auf den riesigen Van See. 7x so gross wie der Bodensee und der grösste See der Türkei liegt er auf 1750 m.M. Er ist sehr sodahaltig und fühlt sich dementsprechend seifig an. Fische gibt es nur an den Süsswassereinmündungen. Dafür gibt es ein von Fischern im Jahre 1960 entdecktes Seeungeheuer, vor diesem Vanessie, fürchten sich alle.

 

Die Region um Van wurde zuletzt im Jahre 2011 von einem Erdbeben mit grossen Zerstörungen heimgesucht, was sich an den vielen schachbrettartigen angeordneten gleichförmigen Häusersiedlungen bermerkbar macht.

 

Die Grossstadt Van mit seinen über 500'000 Einwohnern durchfahren wir zügig, denn auch hier gibt es wegen der aktuellen Lage Unruhen und Demonstrationen.

 

In Akdamar stellen wir uns auf den einladenden Camping, direkt am See, aber doch nicht zu nah, siehe oben und richten uns häuslich ein. Mal wieder Tisch und Stühle raus und waschen was das Zeug hält. 

 

Ein französisches Touristenpärchen, gesellt sich ebenfalls zu uns. Erzählt von ihrer schönen und friedlichen Reise durch den Iran. Heute jedoch nach dem Grenzübergang in Endere , mussten sie fast um ihr Leben bangen, so heftig ging es zu auf der türkischen Seite.

Mittwoch, 8. Oktober Akdamar

 

Wir verfolgen die Nachrichten sehr intensiv und haben schon ein bisschen ein mulmiges Gefühl. Befinden wir uns doch mitten im Kurdengebiet, zurzeit 30 km nach Van, wo es in der Nacht heftige Ausschreitungen gegeben hat. Hier auf dem kleinen Camping mit Restaurant und Bootsanleger zur Akdamarinsel ist es absolut ruhig. Geradezu traumhaft.

 

 

Alois beobachtet die gertenschlanke Französin beim Meditieren und meint:“ Da hätte ich gerade Lust mitzumachen, was denkst du, nimmt man dabei ab?“ „ Wenn du das den ganzen Tag machst und vorher und nachher nichts isst, ganz gewiss.“

 

Am Van See leben die einzigen Katzen, die im Wasser schwimmen. Sie haben je ein blaues und ein braunes Auge. Wir sehen zwar viele Katzen, aber keine der obigen und schon gar keine schwimmen. In Van gibt es aber eine Forschungsstation, die man besuchen kann. Aus naheliegenden Gründen haben wir einen Besuch sein lassen.

 

Wir schliessen uns einer Reisegruppe aus Nordzypern an und machen einen Bootssausflug auf die berühmte kleine Akdamarinsel. Umgeben von Mandelbäumen ist die armenische Heiligkreuzkirche mit seinen Alttestamentarischen Fresken sehr idyllisch gelegen. Wir geniessen und schweigen.

 

Die Nordzyprioten sind auf dem Rückweg sehr gesprächig. Einer zieht eine Zigarre raus:“ Schau mal, Villiger sind einfach die Besten“ Wir staunen, dass es mal nicht um Uhren oder Schokolade geht. Ich versuche ihnen zu erklären, dass der Villiger Boss, mal ein Politischer Big Boss in der Schweiz war. Es geht lustig zu und her.

 

 

Die Franzosen sind bei unserer Rückkehr weg, wir werden wohl morgen auch möglichst schnell, ist aber noch sehr weit, aus dem heissen Gebiet verschwinden, haben keine gesteigerte Lust zwischen die Fronten zu geraten. Das fünf Fahrstunden entfernte Dyabakir müssen wir dazu ebenfalls noch passieren.  

 

 

Donnerstag, 9. Oktober   Akdamara – Firat Iskelesi

 

Nach einer etwas unruhigen Nacht, wir hören es knallen und leuchten im 30km entfernten Van, machen wir uns frühmorgens auf die 450 km lange Etappe an den Attatürkstausee.

 

 

Wir bräuchten Kraftstoff, aber bei der ersten Tankstelle, gibt es nichts. Der Wart bietet uns dafür einen Tee an, na ja ist auch gut und wir palavern über Kinder und so……Bei der nächsten dasselbe, den Tee verschmähen wir diesmal. Er erklärt puffff….. darum no motorin. Wir werden langsam unruhig. 100 km schaffen wir ja, aber was dann? Haben sie den Kurden den Hahn abgedreht oder ist es damit die Tanker nicht in die Luft fliegen? Die nächsten haben Seile gespannt. Endlich haben wir Glück. Der Treibstoff läuft zwar ganz langsam rein, wahrscheinlich haben wir jetzt den Bodensatz, aber unser Tank ist wieder voll.

 

 

Interessanterweise nehmen es die Menschen sehr gelassen und regen sich überhaupt nicht auf. Später lesen wir, dass die Oelförderanlage in Syrien bombandiert wurde und deshalb das Oel knapp wird.

 

Weiter über Pässe, durch weite Landschaften, Esel, Steinmännchen, Nomaden, richtig orientalisch sieht es hier aus. In einem kleinen Dorf machen wir Mittagsrast. Salam Aleikum heisst es hier. Das Essen ist wie immer ausgezeichnet. Einkaufen wollen wir ja auch noch. Fleisch direkt vom Metzger. „Little Kurdistanmuuhhh“ , er schneidet alles in kleine Stücke. Im nächsten Geschäft fragen wir nach Süt . Er schüttelt den Kopf, rennt in den Laden daneben und bringt uns die gewünschte Packung Milch. Auf der anderen Strassenseite kaufen wir  Gemüse. „Haben sie auch Ekmek?“ „ Eins, zwei“? Schon läuft der junge Angestellte hinüber zum Bäcker und bringt das Brot. Sind wir hier in Marokko?

 

Durch die Städte fahren wir zügig . Ich atme aber erst etwas auf als wir Dyarbakir hinter uns lassen. Dort strotzt es von Militär und Polizei. An einer Kontrollestelle werden wir aufgehalten, aber sofort durchgewunken.

 

Uns gegenüber verhalten sich alle sehr freundlich. Trotzdem bin ich froh, als wir den Attatürkstausee erreichen.

 

 

 

Wir haben genug für heute und übernachten direkt an der Anlegestelle. Wir sind wir auf 600 m.ü.M und schwitzen seit langem wieder mal.

Freitag, 10. Oktober Firat Iskelesi – Karadut

 

Schon früh beginnt der Fährbetrieb . Wir setzen über und machen uns auf den Weg zum Nemrut Dagi. Eine junge Familie steht am Strassenrand , möchte nach Karadut. Liegt auf unserem Weg, also einsteigen. Unterwegs stillt die junge Mutter den kleinen Jungen hinten im Auto. 

 

 

In Karadut dann, auf 900 m, stellen wir uns auf den „ Campingplatz“ und fahren mit dem Taxi den Berg hoch. Wäre für unser Womo wohl doch eine zu grosse Anstrengung gewesen. Steil, steil, steil. Zu Fuss dann die letzten 500  m rauf zum Götterthron auf 2150m. Der künstlich mit Schotter aufgeschichtete grösste Grabhügel der Welt ist 25m hoch. Antiochos I liess ihn für sich ca.  im Jahr 70  v. Chr. erbauen. Riesige Götterköpfe aus Stein bewachen ihn.

 

 

Wieder unten gibt es Berberomlette, später dann noch eine Berberpizza.

Die Wasserpumpe gibt seit ein paar Tagen hektische Geräusche von sich.  Alois nimmt sie auseinander, entkalkt sie und siehe da, sie spurt wieder wie eh und je. Ebenso nimmt er sich dem Tablet-Kabel an , dieses tut auch wieder seinen Dienst. Einfach genial.

 

 

Hier ist alles sehr ruhig und friedlich. Wir sind aber natürlich trotzdem nicht so entspannt wie sonst, zumal wir gerade eine SMS-Meldung des EDA’S mit Reisewarnungen bekommen. ( Habe dort, wie jedesmal unser Reiseziel angegeben und wie man sieht funktioniert's) Die Strecke, die wir gestern gefahren sind, sollten Touristen tunlichst meiden. Zum Glück sind wir durch. Ständen wir heute noch am Van See, würden wir uns wohl  nicht mehr getrauen durchzufahren und die Reise ginge rückwärts zum Ararat. Werden morgen wieder möglichst viele Kilometer nach Nordwesten fahren.

 

Eine alte Frau tritt zu uns an den Camper und erklärt uns, dass sie einen Garten hat und ich solle doch schauen kommen. Ich folge ihr und schon kommt eine Kuh mit rollenden Augen auf mich zugerannt, ich springe hinter das Gatter und die Kuh rast mitsamt ihrer langen Schnur an mir vorbei und runter durch's Dorf. Alois:" Du musst sie wieder einfangen." " Iiiiiichhh... nee, ich mag nur total tiefenentspannte Kühe." Alois rennt ihr nach, aber sie ist irgendwo verschwunden. Am nächsten Morgen steht sie wieder friedlich im Gatter.

 

Jetzt funktioniert auch das Internet nicht mehr, ob der Chef dieses gekappt hat?

 

 

Samstag, 11. Oktober Karadut – Pinarbasi

 

Am Morgen Nebel, Blitz und Donner.  Das Internet funktioniert immer noch nicht. Na dann mal los. Wenigstens gibt es Treibstoff. Normalerweise wird die Autonummer an der Säule eingegeben. Nur vorgestern und heute ist das nicht der Fall und nur Cash, nicht mit Karte bezahlen! Machen wir sowieso nie. Dafür gäbe es noch einen Cay, danke vielmals, vielleicht beim nächsten Mal.

 

In Kahta stoppen wir. Hier gibt es anscheinend den besten Tabak, von der ganzen Welt, äh Türkei. Nach einer Stunde Teetrinken verlassen wir den geschäftstüchtigen Mehmet  mit Tabak und Teppich.

 

 

Für uns ist es  schade, Südostanatolien verlassen zu müssen, es hätte noch so viel zu sehen gegeben. Für die Menschen hier ist es einfach nur furchtbar. Nicht nur weil keine Touristen mehr kommen. Bis jetzt wegen Isis und jetzt…….

Durch’s  Tabakanbaugebiet, Schluchten, über Pässe, ohne viel von der Landschaft zu sehen. Es ist recht diesig und zwischendurch schüttet es auch mal wieder ganz gewaltig.

 

 

In einem Fischrestaurant machen wir Halt und geniessen den herrlichen mit „ Raclettekäse“ überbackenen Süsswasserfisch. Richtig lecker.

 

Weiter durch’s  Aprikosenland. Natürlich ist die Ernte schon lange vorbei, aber überall am Strassenrand werden getrocknete Früchte angeboten. Die will ich. Die Frau will für das Kilo 10 Euro! „ Nee, das will ich dann doch nicht und bin zufrieden mit einem halben Kilo. Hier gibt es nicht nur soviele Aprikosen wie im Wallis, die machen auch Preise wie dort. Alois rechnet mal kurz aus, was da für ein Vermögen vor uns liegt. „ Die könnte glatt ein Haus damit bauen.“

 

Noch 3 Pässe gilt es zu überwinden. Alois:“ Das Spiel ist irgendwie nicht mehr lustig.“ Zumal die Sicht wirklich nicht gut ist. Dazwischen durchqueren wir eine riesige Ebene mit Seitenwind. Abgeerntete Felder, soweit das Auge reicht, nur das reicht leider nicht so weit.

 

Nach 450 km geben wir auf und stellen uns kurz vor Pinarbasi auf den Parkplatz bei einer Tankstelle. Es schüttet mal wieder und als es dunkel wird beginnt es zu knallen. Wir gehen davon aus, dass da irgendwo eine Hochzeit gefeiert wird. Aus dem gefährlichen Gebiet sollten wir ja jetzt raus sein.