12. bis 17. Oktober  Pinarbasi - Göreme

Sonntag, 12. Oktober Pinarbasi – Kayseri

 

Bei Sonnenschein erreichen wir Zentralanatolien. Wir fahren durch eine liebliche Landschaft. Geerntet werden Kartoffeln, Kürbis und Zuckerrüben. Die Wanderarbeiter von den Haselnussplantagen sind jetzt mit ihren Kindern hier. Einige wurden jedoch bereits durch Maschinen ersetzt.

 

Kurze Stippvisite in der festungsgleichen Karawanserei  Karatay Hani aus dem 14.Jhrd. Ein paar Jungs öffnen für uns das Tor, ziehen das Eintrittsgeld ein und amüsieren sich köstlich über die zwei Touristen, die in jede Ecke und in jedes Loch schauen, denn viel zu sehen gibt es drinnen wirklich nicht.

 

45 km später staunen wir nicht schlecht über die Millionenmetropole Kayseri, am Fusse des schneebedeckten 3917m hohen Erciyes Dagi. Supermoderne Trams, riesige Einkaufstempel und sogar ein Mülltrennsystem nennt die Stadt ihr eigen.

 

Trotzdem finden wir das alte Zentrum auf Anhieb. Die Zitadelle wird zurzeit restauriert und kann deswegen nicht besucht werden. Der riesige gedeckte Basar gleicht einem Labyrinth.

 

Der sehr gut deutsch sprechende Ismael entdeckt zielsicher die zwei einzigen Touristen in der Stadt und führt uns zu den Hinterlassenschaften der Seldschuken, der ältesten Moschee, der ältesten Wasserleitung, dem alten Hamam, der Karawanserei und dem alten Basar, in dem er vor 45 Jahren, das Teppichgeschäft seines Vaters übernommen hat. Es gibt Gebäck und Tee und wir verlassen das Geschäft mit einem kleinen Teppich! Alois:" Das musst du aber nicht schreiben." Na ja, die Technik der Türken ist halt etwas ausgefeilter, als die der Marokkaner.

 

Nach der Besichtigungstour richten wir uns für die Nacht auf dem Parkplatz nahe der Altstadt ein.

Montag, 13. Oktober Kayseri

 


Es gibt nicht viel zu berichten. Wir durchforsten den ganzen Tag jeden Einkaufstempel von Kayseri nach einem neuen Laptop. Beim Tablet funktioniert jetzt zwar das Ladekabel, aber der Akku nimmt keine Energie mehr auf. 2 Jahre sind um!

 

Die türkischen Laptops sehen exakt genau gleich aus wie unsere, lassen sich aber nicht auf deutsch einstellen. Verschiedene Geschäfte versuchen uns zu helfen, klappt aber nicht.

 

Endlich, ein Geschäft meint, es dauere 20 Minuten, dann sei das Office auch auf Deutsch drauf. Nach 3 Stunden, es ist bereits stockdunkel, funktioniert fast alles.

 

Wir fahren noch raus aus der Stadt zur ersten Tankstelle und üben. Die Tastatur ist zwar auf Deutsch umgestellt, die Buchstaben und Zeichen stimmen jedoch nicht überein, schaue ich nicht auf die Tastatur klappt es. Jetzt müssen wir nur noch rausfinden, wie wir die Fotos auf die Homepage kriegen. 

 

Irgendwann stellt sich ein Kühllaster neben uns, und brummt vor sich hin. Alois: " So geht das nicht, ich muss weg hier."  Um 2 Uhr fährt er zur nächsten, ruhigeren Tankstelle. Ich bleibe währenddessen liegen.

 

Dienstag, 14.Oktober Kayseri bis Göreme


Wir erreichen das Tuffsteingebiet Kappadokien und merken sofort, dass wir wieder auf echt touristischen Pfaden wandeln.


Erste Station ist die unterirdische Stadt in Özkonak. Auf 19 Stockwerken konnten sich ganze Dorfbevölkerungen vor Angreifern verstecken, wenn nötig für mehrere Monate. Wir arbeiten uns lediglich die 5 begehbaren Stockwerke unter die Erde. Das reicht auch, denn uns tut schon jetzt der Rücken weh und wir lechzen nach Licht.


In der grünen Töpferstadt Avanos am Krizilirmak, dem längsten Fluss der Türkei, haben wir Zeit und Musse die Eindrücke sacken lassen. Alois nimmt die Gelegenheit wahr und genehmigt sich einen Haarschnitt samt Rasur.


Auf dem Campingplatz Kaya in Göreme, richten wir uns ein und geniessen erstmal die einmalige Aussicht über die bizarren Tuffsteinformationen.


Mittwoch, 15. Oktober Kappadokien


Frühe Tagwacht, wer was sehen will. Der Anblick, der unzähligen Ballone ist einfach faszinierend und richtig ergreifend. Es ist so still, dass Alois in seinem verdienten Schlaf nicht gestört wird. Zwei Stunden später ist der Spuk vorbei.


Das Wetter ist durchzogen. Ideal um mit dem Womo eine kleine Rundfahrt zu machen. 


Aber natürlich fahren wir nicht nur rum. In Ortahisar wollen wir unbedingt den Burgfelsen besteigen." Eigentlich zu gefährlich," findet Alois. Zum Teil werden die Gewölbe und der Fels mit Streben und Drähten verstärkt, ha, ha, ha.  Wir sind nicht so sicher, wie lange man die ehemalige Wohnburg noch besteigen kann. Oben werden wir für den abenteuerlichen Aufstieg entschädigt, haben wir doch Ballonfeeling für 60 Cts. 


Auf der Weiterfahrt sehen wir eine Hochzeitsgesellschaft. Ich bin wie immer begeistert, bis das Pärchen ganz nah vor uns steht. Höchstens 15 Jahre alt ist das Mädchen. Mir vergeht das Fotografieren.


Schnell ist es wieder vergessen, denn um jede Kurve gibt es Neues zu entdecken, richtig kitschig. So was haben wir noch nie annährend gesehen.  


Wir fahren auf den Campingplatz Dilek, direkt unten in Göreme, denn morgen möchten wir mit den Fahrrädern ins Liebestal und dieses ist von hier aus anscheinend bestens zu erreichen.

Donnerstag, 16. Oktober Göreme

 

Die Fahrräder kommen mal wieder zum Einsatz. Das Wetter ist super und wir starten beizeiten ins Liebestal. Zuerst geht es flott über die asphaltierte Strasse. Im Tal drin wird die Piste bald sandig.  Die schlechten Erfahrungen vom Baltikum sind noch präsent, also werden die Räder gestossen. Schnell wird ersichtlich, woher das Tal seinen Namen hat.

 

Das Kaffee, welches uns Sus und Franz ans Herz gelegt haben ist bald in Sicht.  Aber wie kommen wir jetzt dahin?  Ich kämpfe mich durch das Gestrüpp, Alois ist dicht hinter mir, denke ich. Angekommen, drehe ich mich um, wo ist er denn? Wird schon gleich da sein. Der Wirt ist sehr nett, bietet mir Tee an, zahlen könne ich ja nächstes Jahr. Immer noch kein Alois. Langsam werde ich nervös. Der freundliche Wirt meint:“ Mach dir bloss keine Sorgen, hier ist es sicher der kommt sicher bald, entspann dich.“ Er bringt mir Trauben und stellt mein Rad gut sichtbar auf den Platz vor dem Kaffee. Er ruft den Parkwächter an, der am Ende des Tales, 2 km weiter postiert ist. Alois ist noch nicht vorbeigekommen. Wir fragen ein japanisches Pärchen. „ Ja wir haben einen Mann mit Rad gesehen, hast du ein Foto?“ „ Nein, ich habe gar nichts, kein Geld, kein Natel, keine Kamera.“

 

Ich will keinen Tee mehr, mir ist so schon schlecht genug. Nach einer Stunde, gefühlten fünf kommt Alois erschöpft an: „ So geht das nicht, wir müssen reden. Ich habe fotografiert und du bist einfach weitergestapft und verschwunden.“ Er ist dann noch 1.5 km weiter gelaufen, bis der Pfad so schmal wurde, dass es mit dem Rad nicht mehr weiterging und hat dann umgedreht.

 

Zum Nachtessen gibt es Spaghetti Bolognese, ich habe was gutzumachen! 

Freitag, 17. Oktober Göreme


In der Nacht regnet es entgegen den Prognosen richtig heftig. Unser Stewi bricht unter dem Gewicht der tropfnassen Wäsche zusammen und auseinander. Schade. Zum Glück trocknet die Wäsche während des Tages auf verschiedenen Wäscheleinen wieder. Alois versucht sich mit der Reparatur des Ständers, aber der Akku seines Spielzeugs lässt sich nicht mehr richtig laden. 


Ein Strassenkünstler, der hier auf dem Campingplatz mit seinem Zelt einen Zwischenstopp einlegt, gibt uns eine Gratisvorstellung.


Wir vertreiben uns den Rest des Tages im Dorf, beobachten die vielen Bus-, Kleinbus-, und Jeeptouristen, staunen über die Preise in " St. Moritz" und trinken zum ersten Mal in der Türkei einen veritablen Cappucino. Das ist wohl der Vorteil eines echten Touristenortes. 


Ausserdem gilt es zu überlegen, wo morgen die Reise hingehen soll.