25. Januar bis 30. Januar     Carretera Austral

Fr

25

Jan

2019

Carretera Austral

Wir werweissen was nun zu tun ist. Sollen wir die Fähre nehmen, die uns schnellstmöglichst über den See nach Puerto Igeniero Ibanez, in die Nähe von Villa Cerro Castillo trägt? Sollen wir dem See entlang und dann die Ruta 7 nach Cochrane nehmen, wo gemäss unserer App auch Gasflaschen aufgefüllt werden?

Wir entscheiden uns für die zweite Möglichkeit und fahren über die Piste entlang des Sees.

 

Atemberaubende Blicke über den See und in die Berge belohnen uns für diese Entscheidung. Zwar ist die Strasse für den Fahrer sehr anspruchsvoll, zum Teil furchterlich  schmal, kreuzen nicht möglich, wir nahe am Abgrund, mit Steigungen bis zu 18 Grad und natürlich ebensolchen Gefällen, aber wir glauben noch nie so eine gewaltig schöne Panoramafahrt gemacht zu haben.

 

Vorne am See treffen wir auf die Ruta 7, die Carretera Austral und wenden uns zuversichtilich Richtung Süden, 65 km entlang des Rio Baker, der für viele Riverrafter ein echtes Eldorado ist. 

 

In Cochrane angekommen erfahren wir, dass es hier keine Möglichkeit gibt die Gasflaschen füllen zu lassen. Also wieder ein Stück den Fluss hoch und nochmals eine Nacht ohne Gas.

 

Anderntags ist die Sonne fast gänzlich weg und es regnet mehr oder weniger den ganzen Tag. Wenigstens schlucken wir so keinen Staub. In Puerto Rio Tranquilo, wo die Boote raus zu den Marmorhöhlen fahren, machen wir nur einen kurzen Halt. Erstens ist das Wetter bescheiden, zweitens behandle ich immer noch meinen vor zwei Tagen eingefangenen Hexenschuss und drittens möchten wir irgendwann mal wieder einen kalten Kühlschrank, heissen Kaffee zum Frühstück, Pasta am Mittag und warmes Wasser zum Duschen. 

 

So fahren wir heute zuerst 250 km Piste. Alois findet das gar nicht mehr so lustig. Zumal die Piste recht mies ist und sehr viel Verkehr auf der Carretera Austral herrscht. Ausserdem meldet uns der Bordcomputer seit gestern, dass die Bremsbeläge gewechselt werden müssen, auch nicht so ein gutes Gefühl, schliesslich sind auch auf der Ruta 7 die Steigungen und nachträglichen Gefälle nicht ohne.

 

Die letzten 100 km auf normaler Strasse sind schnell gefahren und angekommen in Coyhaique gibt es tatsächlich eine Gpl-Tankstelle. Wir können unsere Flaschen bequem befüllen lassen, bunkern Wasser, füllen den Kühlschrank und stellen uns neben die Universität, wo wir irrsinnig schnelles und freies W-Lan haben. 

 

Morgen fahren wir höchstens bis zu einem Mechaniker, der uns die Bremsbeläge ersetzt. Ansonsten wird geruht.

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Fr

25

Jan

2019

Coyhaique

Die Fiatgarage in Coyhaique ist schnell gefunden. 

Sie haben sogar die richtigen Bremsbeläge am Lager, so können wir unsere Ersatzbeläge für später aufbewahren.Wir geben das Auto ab, mit dem Wunsch doch auch noch den Pollenfilter zu ersetzen.

 

Durchforsten das Städtchen, das sehr viele junge Leute beherbergt und fast ebenso viele Outdoorgeschäfte, Souvernierläden, Elektrogeschäfte, Kaffees und Restaurants.

 

Nach drei Stunden kehren wir wie abgesprochen zurück und erfahren, dass die Bremsbeläge in Ordnung seien, lediglich ein elektrisches Kabel durch Steinschlag beschädigt war und den Fehlalarm ausgelöst hat.

 

Insgesamt löhnen wir 100 Euro für den neuen Pollenfilter, das Kabel und die Arbeit. Ein guter Tag. Wir stellen uns nochmals neben die Uni und profitieren vom freien W-Lan.

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Mo

28

Jan

2019

Chaiten

Wir sind positiv überrascht, denn entgegen unserer Karten ist die Strasse ab Coyhaique fast durchgängig, auf jeden Fall bis Chaiten asphaltiert. Lediglich dazwischen gibt es immer mal wieder einige Kilometer Piste.

 

Aber der Reihe nach. Wir fahren nach Aysen, wo wir in einem Supermarkt alles bekommen, was wir uns wünschen und das zu moderaten Preisen, was auf der Carretera Austral nicht selbstverständlich ist.

 

Ein paar Kilometer weiter erreichen wir Puerto Chacabuco In diesen  Fjord verirren sich sogar kleinere Kreuzfahrschiffe, deren Passagiere mittels kleinen Booten den Glacier San Rafael anpeilen. Wir plaudern auf Schwiizerdütsch mit einer Dame, die mit diesem Kreuzfahrtschiff durch die Antarktis gefahren ist. Sie würde es allerdings vorziehen, wie wir mit dem Camper durch die Gegend zu gondeln.

 

Das Wetter ist immer noch gut. Wir stellen uns auf einen Camping mit Waschservice und bekommen vom Besitzer eine humorvolle Matelektion. Später kaufen wir uns endlich auch das nötige Geschirr, damit wir diesen selber zubereiten können, der ist nämlich angeblich sehr gesund.

 

Wetterglück ade. Es ist neblig und regnerisch. Durch den Nationalpark Queulat schlittern wir auf der seifigen, zum Teil schmalen und steilen Piste. Wie alle anderen Fahrzeuge suchen wir uns den besten Weg durch den Parcour. Die riesigen Rhabarberblätter und Riesenfarne triefen nur so, Urwald halt.

 

Viele Autostopper sind unterwegs. Zwei junge einheimische Mädchen nehmen wir mit nach Puyuguapi. Hier haben sie diese Woche Sommerfest, bei gerade mal 12 Grad und Regen. Aber sollte es mal nicht regnen, wird es wohl schneien, denn wie sonst könnte es so grün sein. Hier essen wir übrigens den teuersten Kuchen, seit unserer Abfahrt von Montevideo.

 

Auf der Weiterfahrt passieren wir das fast völlig von einer Naturkatastrophe zerstörte Santa Lucia, kein sehr schöner aber eindrücklicher Anblick.

 

Immer wieder queren wir Flüsse, bestaunen Wasserfälle, fahren entlang von Seen, streifen beinahe die Felsen oder Zweige des dichten Waldes, immer mal wieder räuchelt es aus einer der weit ausliegenden Estancias. Die Carretera Austral ist wirklich eine Reise wert. Wild und romantisch.

 

Wir wollen in die Termas el Amarillo beim weltweit grössten privaten Naturpark Pumalin. Der Gründer von North Face  hat alles zusammengekauft um die letzten Alerce-Bäume vor dem  Kahlschlag zu retten. Die Therme ist nicht der Hit, zwei kleine Becken mit heissem Wasser, mein Hexenschuss bleibt mir auf jeden Fall treu. Die Natur ist dafür grandios und das Vogelgezwitscher in den Bäumen ebenfalls.

 

Chaiten wurde 2008 von einem Vulkan heimgesucht, der im Vorfeld nicht mal als solcher erkannt wurde. 200 Menschen liessen sich nicht an einen anderen Ort umsiedeln, sie blieben standhaft hier und inzwischen ist der Ort wieder auf 7800 Einwohner angewachsen.

 

Wir stellen uns an die hübsche Bahia Santa Barbara. Der Strand ist vulkanisch schwarz, Delfine schwimmen durch die Bucht und auch andere Camper machen es sich hier gemütlich. Würde die Sonne scheinen, blieben wir sicher noch eine Weile hier.

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Di

29

Jan

2019

Hornopiren

Nun aber grübel, grübel und studier. Sollen wir zurück nach Chaiten und die Fähre nach Chiloe nehmen? Die Insel soll sehr schön sein. Ach nein, zu kompliziert, man muss im Vorfeld reservieren, mögen wir nicht. Also weiter zur Fähre nach Hornopiren, hat uns Michael doch erzählt, dass da das Ticket auf der Fähre gelöst werden kann und überhaupt möchten wir die Carretera Austral bis zum Ende fahren.

 

Aber zuerst mal zum Flughafen, dort gibt es sicher W-Lan. Trugschluss hoch 2. Es ist ein winziger Flughafen mit Kleinflugzeugen.

 

Ueber die Piste Richtung Caleta Gonzalo wird trotz schmal, richtig gerast. LKW’s und PW’s haben’s eilig. Also geben auch wir Gas, denn es muss demgemäss in Bälde die Fähre starten. Hinten angekommen stehen wir in der Schlange.

 

Ein Offizieller geht durch die Reihen und fragt, bei uns angekommen nach den Tickets. „ Tickets?“ „ Ja, es ist alles ausgebucht, ohne Ticket geht nicht.“ „ Wo bekommen wir Tickets?“ „ In Chaiten.“ „ Waaas das geht ja gar nicht, alles wieder zurück?“ „ Si.“

 

Auch andere sind ziemlich nervös und rennen scheinbar kopflos hin und her. Alois meint: “ Tee trinken und abwarten.“  Die Nervösen sind als letzte auch auf die Fähre gefahren und wir stehen alleine da. „ Perdon Senor wir wollen auch noch mit.“ „ Un momento.“ Er geht nach vorne und winkt uns dann zu.

 

Zu allerletzt sind auch wir auf der Fähre und können das Ticket, mit den anderen schlecht Vorbereiteten auf dem Schiff lösen. So ein Glückstag. Ohne Plan und ohne Reservierung( wie soll das auch gehen ohne Internet) sind wir auf der 5-stündigen Ueberfahrt nach Hornopiren.

 

Der Pazifik tut seinem Namen alle Ehre, keine Welle kräuselt das Wasser und eine vermeintliche Ente die ich aus der Entfernung fotografisch festgehalte, entpuppt sich als Pinguin, der ganz alleine auf dem Meer dahinschwimmt.

 

 

In Hornopiren, einem schmucken kleinen Städtchen stellen wir uns unten ans Wasser und freuen uns des Lebens.

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Mi

30

Jan

2019

Puerto Varas

Wir verlassen das kleine beschauliche Hornopiren, queren die Halbinsel über die noch im Bau befindliche Strasse und nehmen dort die kurze Fähre, die im Viertelstundentakt übersetzt nach Caleta la Arena. 

 

Der Motor unserer elektrischen Treppe hat den Geist aufgegeben. Bereits seit ein paar Tagen funktioniert sie nur noch mit gut zureden, doch jetzt ist endgültig Schluss. Alois:" Der Motor ist sicher genau auf 1000 Mal rauf und runter eingestellt und jetzt war es wohl das 1001. Mal." Mittels Handbuch und noch mehr suchen, findet Alois den richtigen Knopf und kann so die Treppe reinziehen. " Muss ich jetzt jedes Mal unter das Auto liegen um die Treppe zu betätigen?" " Wird wohl so sein."

 

Der Verkehr nimmt merklich zu. In Puerto Montt, dem Ende der Carretera Austral haben wir über 250 km Anschlusspiste und 1000 km Carretera Austral geschafft. Tatsächlich sind bereits grosse Teile Ruta 7 asphaltiert, aber die noch nicht befestigten haben es in sich.

 

Das Verkehrschaos und die recht grosse Stadt, stressen uns. Eigentlich möchten wir hier bleiben, entscheiden uns aber aus den obengenannten Gründen dagegen und stellen uns in der Nähe von Puerto Varas, das von Deutschen gegründet wurde an den Lago Llanquihue. 

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