9. bis ...... Mai      Concepcion -

Do

09

Mai

2019

Concepcion

Ich möchte gerne noch etwas mehr von Paraguay sehen, also fahren wir zuerst 60 km zurück nach Westen, bevor wir 300 nach Norden fahren um dann schliesslich 110 km  später Richtung Südwesten in Concepcion am Rio Paraguay einzutreffen. Das Maps me gibt uns zwar eine viel kürzere Strecke vor, aber bei unseren gemachten Erfahrungen mit den Pisten nehmen wir gerne den längeren Weg über die Nationalstrassen in Kauf. Nach zwei Tankstellenübernachtungen, es dunkelt bereits um 17.00 Uhr und der Weg ist lang und nicht gerade abwechslungsreich, erreichen wir am Vormittag Concepcion, wo wir uns beim Hotel Frances in den geschlossenen Hinterhof stellen.

 

Viel Kopfsteinpflaster, viele Kolonialhäuser, viele Banken und noch mehr Hitze erwarten uns hier im beschaulichen Concepcion. Wären da nicht die Autos und die modernen Plakattafeln würde man sich tatsächlich in ein anderes Jahrhundert zurück versetzt fühlen.

 

Der kleine Hafen am Rio Paraguay ist schnell besichtigt, wir haben Glück und können einem Schiff bei der Abfahrt zusehen.

 

Danach fahren wir mit einem überteuerten Taxi, haben vorher nicht den Preis nachgefragt ins Zentrum auf den sehr ursprünglichen Markt. Als Touristen fallen wir gar nicht auf, wir sind wohl die einzigen Fremden in der Ortschaft.   

 

Auf dem Marsch zurück ins Hotel wird Alois in einer Karrosseriewerkstatt auf einen alten VW-Käfer aufmerksam, so kommen wir ins Gespräch dem freundlichen Chef, der ebenfalls ein Motorradfahrer ist. Er zeigt uns seine Oldtimer die er restauriert und dann auch noch sein kleines privates Museum in dem er Mitgebrachtes von seinen Töffreisen aufbewahrt.     

Wir bringen ihm eines unserer kleinen Schweizer Taschenmesser für seine Sammlung vorbei und vereinbaren gleich für Morgen einen Termin, damit er unsere verschiedenen Schäden, verursacht durch Pistensteine und anderes Ungemach am Kunsttof-Hinterteil unseres Womo wieder in Ordnung bringen kann.

 

Uebrigens ist in Sachen Strom, nach wie vor der Wurm drin, ist doch gestern bei Inbetriebnahme des Toasters mittels Wechselrichter, das Licht im Womo ausgegangen. Zwar hat dieses nachher wieder funktioniert, aber den Toaster lassen wir bis auf Weiteres aussen vor.

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Sa

11

Mai

2019

Bei Miguel

Am Morgen stellen wir unser Womo neben die Werkstatt von Miguel und sofort machen sich die Männer ans Werk.

 

Wir durchstreifen derweil das Städtchen, entdecken ein paar schöne Ecken, machen Bekanntschaft mit einem vor 9 Jahren wegen der Liebe eingewanderten Deutschen, der am Platz ein kleines Restaurant mit leckeren Mittagsmenues betreibt. 

 

Sorgen machen wir uns, als wir im Internet die Bilder der riesigen Ueberschwemmungen in Asuncion und südlich davon sehen. Ganze Strassenzüge haben sich in Flüsse verwandelt, die Autos sind aufeinander gestapelt und ineinander verkeilt, auf dem Lande sehen Dörfer wie Inseln aus. Es gibt in diesem Gebiet kein Durchkommen mehr. Wir sind zwar nördlich davon, aber wollen durch den Chaco nach Bolivien, Ob das wohl gutgeht?

 

Gegen Abend ist das Womo wie neu. Super Arbeit hat Miguel mit seiner Crew geleistet. Uebernachten tun wir gleich vor der Werkstatt, sind wir doch zum Grillplausch eingeladen. Vielen herzlichen Dank Fabiana und Miguel für eure Gastfreundschaft, ihr seid ein tolles Paar.

 

Der Regen ist nun auch in Concepcion eingetroffen und wir stellen uns bei einem kleinen Hostel in den Garten um dort auf besseres Wetter zu warten. Die Temperaturen sind mit dem Regen auf angenehme 22 Grad gesunken und das Schwitzen hat ein Ende.

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Mo

13

Mai

2019

Tschüss Concepcion

Die Engel haben heute aufgehört Wasser vom Himmel zu schütten
Die Engel haben heute aufgehört Wasser vom Himmel zu schütten

Es ist zwar schön hier im Hostel von Manuel, abends ertönen per Lautsprecher jeweils eine Stunde lang aus dem Lautsprecher der nahen Kirche richtig schöne Kirchenlieder, die  Weihnachtslieder ähneln, aber der Hund unserer Nachbarn, den wir hinter der hohen Mauer nie zu Gesicht bekommen, bellt Tag und Nacht ununterbrochen. Wir wundern uns, dass der noch nicht heiser ist, das ist wirklich kaum zu aushalten.

 

Das Wetter klart auf und so wagen wir es in den Chaco einzufahren. Mal sehen wie weit wir kommen. Drückt uns die Daumen, dass wir Filadelfia erreichen.

Ueber die Brücke fahren wir auf der Ruta 5 die nächsten 150 km rein in den Chaco und dann weitere 150 km auf der Ruta 9, des sogenannten Trans-Chaco, der Hauptverbindungsstrasse zwischen Paraguay und Bolivien.

 

Der Chaco umfasst 60% von Paraguay, aber nur gerade 6% der Bevölkerung des ganzen Landes lebt hier.

 

Ich erwarte viele Tiere zu sehen, denn hier in diesem Gebiet soll es die grösste Artenvielfalt in Paraguay geben. " Wo sind sie denn?" " Die sind irgendwo im Wald, kannst ja eine kleine Expedition machen." " Alles Wasser, das geht ja gar nicht." Kühe, Ziegen, Hunde und viele, viele Vögel gibt es entlang und auf der Strasse.

 

Was wir aber vorallem zu sehen bekommen sind Häuser und Autos die im Wasser stehen Zufahrtswege die jetzt Bäche sind und Menschen, die ihr Hab und Gut so gut wie möglich ins Trockene retten und sich Befehlsunterkünfte bauen. " Wieso bauen die ihre Häuser nicht auf Stelzen? Hier im Sumpfgebiet ist das ja ein jährlich wiederkehrendes Phänomen."

 

Die Strasse ist fast durchgehend befestigt. Dazwischen ein paar Stücke Lehm und oftmals sehr kaputt, so dass die Auto Walzer tanzen.  Neben die Strasse darf man gar nicht erst kommen, sonst bleibt man unweigerlich stecken. Aber wir kommen recht gut durch, nur an zwei Stellen ist es brenzlig. Wir sind mal wieder sehr froh um die grosse Bodenfreiheit unseres Womos.

 

Gegen 17.00 Uhr wird's dunkel und wir finden eine Tankstelle, die nicht überflutet ist und stellen uns da für die Nacht auf festen Boden. Sobald es Nacht ist, nimmt der Lastwagenverkehr merklich ab und es kehrt Ruhe ein.

 

Alois ist ziemlich kaputt vom konzentrierten Fahren, denn nicht eine Sekunde darf man den Blick von der Strasse wenden.

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Di

14

Mai

2019

Filadelfia

 

Etwa 15'000 Mennoniten leben im Chaco. Laut eigener Geschichtsschreibung wurden 1927 die ersten Mennoniten aus Kanada eingeladen, sich in diesem Land, das sie als üppig grün erachteten, niederzulassen und es zu bewirtschaften. Im Gegezug bekamen sie ihre Grundrechte zugesagt. Religionsfreiheit, Befreiung vom Militärdienst, eine unabhängige Verwaltung ihrer Gemeinden und das Recht Deutsch zu sprechen. Die harte Realität im unwirtlichen, trockenen Chaco war jedoch ein Schock für sie und ein grosser Teil der ursprünglichen Siedler erlag Krankheiten, Hunger und Durst, während sie versuchten hier Fuss zu fassen.

 

Auch anderswo in Paraguay findet man Mennoniten-Gemeinden, aber die Kolonien im Cnaco sind für ihre Ausdauer, die sie in der "grünen Hölle" an den Tag legen, ebenso bekannt wie für ihren wirtschaftlichen Erfolg. So produzieren ihre Kooperativen u.a. den Grossteil der Milchprodukte im Lande.

 

Die letzten 60 km bis Filadelfia, das 1930 von Mennonitischen Flüchtlingen aus der Sowjetunion gegründet wurde, legen wir schnell und auf recht guter Strasse zurück.

Aber auch hier ist jede Strasse, die von der Hauptstrasse abgeht, eine Erdpiste.

 

Wir können uns beim schönen Hotel Florida direkt an den Swimmingpool stellen.

 

Alois bestellt beim hier ansässigen Deutschen Solartechnikunternehmen ein Ladegerät, damit wir unsere Batterien wieder mit Landstrom speisen können. Heute und morgen sind hier zwei Feiertage und so vereinbaren wir einen Termin für Donnerstag. 

 

Ich kann mal wieder alle verpassten Fernsehsendungen schauen, da es hier sehr gutes W-Lan gibt.

 

Auch erreicht uns die freudige Nachricht, dass Alois 5.Enkelkind das Licht der Welt erblickt hat. Wir gratulieren den frischgebackenen Eltern Heidi und Mirco zu ihrer süssen Lyn.

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Do

16

Mai

2019

Beim Autoelektriker

Viktor dessen Vater als 11-jähriger zwischen den Weltkriegen aus der Krim hier eingewanderte, erzählt uns viel von der Geschichte, der Kultur und der derzeitigen politischen Lage Paraguays und insbesondere des Chacos. 

 

Er war es auch, der damals das Wohnmobil, des seit nunmehr einem Jahr vermissten Oesterreichers, im Busch entdeckte. Immer wieder tauchen neue Gerüchte um dessen Verschwinden auf. Das Wohnmobil steht beim hiesigen Polizeiposten.

 

Nun sind die Feiertage, an denen das Leben in Filadelfia still zu stehen schien, vorbei. 

 

Wir können das Victron-Ladegerät beim Händler, der alle Geräte aus Deutschland importiert, abholen und gleich beim Autoelektriker einbauen lassen. Das Laden mit Landstrom funktioniert jetzt wieder. Super und schnelle Arbeit.

 

Im Gespräch kommen wir darauf, dass er ebenfalls Klimaanlagen, Solarpanels und Batterien einbaut. So lassen wir uns von ihm ausrechnen, was es denn brauchen täte, damit wir eine Klimaanlage betreiben könnten. Ist das möglich und preislich für uns tragbar würden wir noch einige Zeit in der Gegend bleiben.

 

Alois meint:" Würde ich mich in Paraguay niederlassen, dann in dieser Region, hier spricht man nicht nur überall Deutsch, hier bekommt man auch wirklich alles was man braucht und das erst noch aus Europa und die Menschen sind zuverlässig und kompetent. Einziger Nachtteil, man ist hunderte Kilometer von der nächsten grösseren Stadt entfernt und die Strassen, na ja." Ich:" Und die politische Lage, mit dem immer stärker aufkeimenden Rassismus, einerseits gegen die wirtschaftlich erfolgreichen Eingewanderten und andererseits gegen die indigene Bevölkerung, spricht auch nicht gerade für Paraguay."

Wobei wir selber bis anhin nichts davon gespürt haben, aber das merke man auch erst, wenn man hier lebe, hat uns ein in Concepcion ansässiger Deutscher erklärt.

 

So geniessen wir als Touristen halt einfach das schöne Wetter, die Wärme und die netten Menschen, ändern können wir ja doch nichts.

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