20. bis 26. März Tiznit

Donnerstag 20. März

 

Eigentlich möchten wir noch einen Tag in Sidi Ifni bleiben. Es ist am Morgen jedoch bewölkt und windig. " Lass uns nach Tiznit fahren". Gesagt, getan....Eine halbe Stunde später sind wir abfahrbereit.

 

Die Strasse führt durch eine kakteenbewachsene hügelige Landschaft, bis völlig unerwartet eine weite Ebene vor uns liegt. Tiznit lässt sich schon von Weitem erahnen.

 

Wir fahren auf den Camping municipal. Es gibt jetzt wieder genügend Platz, nichts mehr von Gedränge und vollbesetzt. 

 

Wir staunen nicht schlecht, als wir Abdellah, den Künstler, der uns letztes Jahr in Aglou plage das Auto verschönert hat, hier in Tiznit am Arbeiten antreffen. Freudige Begrüssung. Wir stehen im lockeren E-mail Kontakt und er hat Alois Krankengeschichte verfolgt. " In Aglou plage ist gar nicht's mehr los, die meisten Touristen sind weg, also bin ich hier wo es vielleicht noch einiges zum Malen gibt." " Gut so, brauchen wir nicht mehr nach Aglou zu fahren, können dir hier unsere mitgebrachten Kleider und Spiele für deine Mädchen geben."

 

Kurz danach treffen wir auf einen Polsterer, der gerade Waren bei einem Nachbarn auf dem Camping abliefert. Alles sieht gut verarbeitet aus. Wollen wir doch schon lange die durchgesessenen und abgewetzten Polster unserer Rundsitzgruppe erneuern lassen. Eine Stunde später sind wir handelseinig, haben das Alcantramaterial ausgesucht und sitzen nun auf dem Harten!!!!!

 

Ich bin auf jeden Fall schon um 21.00 Uhr im Bett, wo es weich und kuschelig ist.

 

 

 

Jetzt gibt es in Tiznit viel Platz
Jetzt gibt es in Tiznit viel Platz

Freitag 21. März

 

Um 5.15 Uhr höre ich für einmal die Kirchenglocken, äh den Muezzin, hab ja gestern früh geschlafen. Zum Glück bin ich eine Frau und erst noch ungläubig, so kann ich mich umdrehen und weiterschlafen.

 

Tiznit ist eine lebhafte Stadt. Es wimmelt nur so von Menschen, Autos, Mopeds, Fahrrädern und Karren mit und ohne Esel.

 

Wenn es dunkel wird und das wird es früh in Marokko, fahren alle Busse mit Licht, die meisten Autos ebenfalls, sogar einige Mopeds verfügen über Licht, aber bei den Fahrrädern Fehlanzeige. Mir kann es jedenfalls nicht passieren, dass ich Alois verliere oder einem falschen Velo hinterher fahre!

 

Noch einen Abend auf den harten Sitzen, aber ich muss nicht mehr so früh ins Bett, man gewöhnt sich bekanntlich an alles.

Samstag, 22. März

 

Besuch beim Polsterer. Sieht alles ganz ansprechend aus. Heute abend werden die ersten Teile geliefert.

 

In der Zwischenzeit können wir unserem Hobby frönen, Kaffeetrinken und das Geschehen auf der Strasse beobachten. Wir sehen zum ersten Mal ein paar richtig betrunkene Marokkaner, machen auch keinen besseren Eindruck als besoffene Europäer. Junge unverschleierte Frauen mit rassigen Hosen und Kleidern schlendern kichernd durch die Strasse. Alois: " Sind sie erst mal verheiratet, ist das vorbei, oder siehst du etwa unverhüllte Frauen ab 30 Jahren?" "Glaub ich nicht, dass diese Generation, das mit sich machen lässt, sie wirken doch so selbstbewusst."" Doch, doch, Kopftuch auf, Körper mit Tuch einwickeln und 2 Schritte hinter dem Mann herlaufen, mit den schweren Einkaufstaschen."

Aber was ist denn da los? Plötzlich pfeifen nervöse Polizisten rum und halten den Verkehr auf. Es kommt eine sicher wahnsinnig wichtige Delegation des Weges um kurz darauf mit ihren Staatskarossen aus dem Stadttor zu rollen.

 

Die ersten Teile der Rundsitzgruppe werden pünktlich gelierfert. Die 15 Jahre alten Sitzpolster sind mit neuem Schaumstoff versehen, da sie doch schon stark durchgesessen sind. Leider ist ein Teil etwas zu lang. Auch der Versuch des Polsterers dieses mit Muskelkraft reinzuquetschen bringt keinen Erfolg. Alois: " Hab ich's doch geahnt, dabei haben wir doch extra noch auf die unterschiedlichen Längen hingewiesen." " Non problem, mach ich kürzer, bis Montag Mittag ist alles fertig! Garantiert!" 

 

In nächster Nähe entdecken wir einen gut dotierten Supermarkt. Sogar Sprühsahne hat er in seinem Sortiment, jetzt fehlen uns nur noch die Erdbeeren, das werden wir morgen sofort ändern.

Sonntag, 23. März

 

Wir bestaunen die Waschmaschine von unseren französischen Nachbarn zur Linken. Klein aber fleissig. " Ja, die haben wir in Marokko gekauft, funktioniert gut und verstaut wird sie in der Dusche". Wir, die Camper mit Waschmaschine bis jetzt immer belächelt haben sind begeistert.  "Die ist ja nur ganz klein" " Wir haben aber keine Dusche zum Verstauen" "Aber sie ist doch so praktisch!"

 

Im gedeckten Markt werden zuerst mal die Erdbeeren, etwas Gemüse und Fleisch erstanden. Er ist eine richtige Augenweide. Alles wird liebevoll und kunstvoll präsentiert.

 

Nun aber auf in die Altstadt zum grossen Platz. Unter den Arkaden laden viele kleine Geschäfte zum Einkauf ein. Waschmaschinen in diversen Grössen werden angeboten. Der Ladenbesitzer ist sich nicht zu schade, verschiedene Geräte auszupacken. Wir entscheiden uns für die wirklich Kleinste und werden schnell handelseinig.

 

Einfach herrlich, wir geniessen die Erdbeeren mit Sprühsahne und die Waschmaschine tut ihren Dienst. Der Campingbetreiber kommt vorbei, will er wegen der Maschine reklamieren? Glück gehabt, er will nur eine Zigarette! 

 

Unser französicher Nachbar Soubise zur Rechten lädt uns ein dem französischen Marokkoforum beizutreten. Er ist der Gründer und Administrator des Forums www.ccomaroc.com. Geduldig erklärt er alles und muss aber dann doch noch 2 x helfend eingreifen, bis die Registrierung klappt. Nun können wir die Karte mit all den Campingplätzen in Marokko und einige in Spanien und Portugal auch benützen wenn wir offline sind. 

 

 

 

Montag 24. März

 

Schon recht früh am Vormittag bringt Lahoucine Dada mit dem Velo die fertigen Polster. Alles passt, auch die neuen Ueberzüge in der Führerkabine.

 

Lahoucine meint, heute sei es doch sehr heiss, ob wir nicht ein kaltes Getränk hätten. Ich hätte ihm wohl Mineralwasser angeboten, aber Alois hat ein Einsehen und gibt ihm ein kaltes Bier, das er freudig und in windeseile im Womo runterstürzt.

 

Da das mit den Polstern so gut geklappt hat, bringen wir unsere zwei marokkanischen Teppiche in die Auto- und Teppichwaschanlage zum reinigen. Schliesslich passen die schmutzigen Teppiche nicht mehr gut zu der neuen, edlen Polstergruppe. Der Teppichwascher macht uns darauf aufmerksam, dass das Weiss nachher Rosa sein werde und er uns davon abrate. Da uns diese Farben lieber sind als grau und schwarz, erteilen wir ihm den Auftrag trotzdem. 

 

Nun hat sich Alois erst mal einen Thè a la menthe verdient!

 

Jetzt können wir uns über die morgige Einladung zum Couscous Essen bei Lahoucine Zuhause freuen! Er kommt extra am Abend nochmals vorbei, damit wir es ja nicht vergessen. Ein paar Kleider und Spielsachen für seine beiden kleinen Kinder sind bereits, als Gastgeschenk zusammengestellt.

 

Dank dem Saharaforum haben wir heute abend die einzigen deutschsprechenden, nämlich Eva und Christian aus Oesterreich, auf dem Campingplatz International kennengelernt.

 

 

 

Dienstag, 25. März

 

Der Nachbar von Lahoucine holt uns mit seinem altersschwachen Taxi vor der Polsterei ab. " Was kostet die Reise? " Lasst nur, das mache ich", so Lahoucine. Na, ja.....

 

Wir fahren 25 km raus auf's Land an den Rand der Berge. Lahoucine wohnt hier mit seiner Familie und allen anderen Familienmitgliedern in einem kleinen Weiler. Es ist absolut ruhig, kein Autolärm, kein Hundegebell, nur ein paar Vögel zwitschern. Seinem Vater, fast 90 Jahre alt, gehört das Land. Die Häuser sind traditionell aus Lehm gebaut. Angenehm kühl im Innern. Wir werden herzlich von allen Frauen begrüsst. Die Kinder, am Anfang etwas scheu, setzen sich bald zu uns. Zuerst gibt es Tee und danach wird uns das Couscous serviert. Wir essen allein mit Lahoucine, die 7 Frauen (Grossmutter, Ehefrau, Schwägerinnnen, Cousinen) mit den Kindern, nach uns im Nebenraum. Wir bestaunen die Hühner, den Esel und die Kuh im Stall.

 

Nach 2 Stunden fahren wir zurück in die Stadt, nachdem die Ehefrau des Taxifahrers zugestiegen ist.

 

Wieder in Tiznit nochmals die Frage:" Was kostet nun die Fahrt?". "200 Drh." Ich:" Wie bitte?" "So, das ist jetzt das letzte Mal, dass wir uns von Einheimischen " einladen" lassen", meint Alois " Genug der guten Taten!"

 

Am Nachmittag gibt's Kaffee und Gebäck bei Eva und Christian. Mit interessanten und lustigen Gesprächen vergeht die Zeit wie im Fluge. 

 

Die Teppiche sind  fleckenlos und fühlen sich vom Sand und Dreck befreit wieder richtig flauschig an. An die rötliche Farbe der Fransen beim einen Teppich werden wir uns entweder gewöhnen oder sie ganz einfach abschneiden.

 

Guter Beobachtungsposten
Guter Beobachtungsposten

Mittwoch, 26. März

 

Unser französischer Nachbar zur Linken, hat die ganzen 7 Tage seit wir hier sind, am und im Wohnmobil geputzt. Sehr fleissige Leute. " Leg ihm doch unsere kleine Fussmatte hin und 2 Drh. dazu!" 

 

Sein Womo ist auf der Frontseite bereits wieder staubig, auch gut, so geht ihm die Arbeit nie aus.

 

Wir sind derweil total beschäftigt mit Studieren ob wir morgen weiterfahren sollen und wenn ja, wohin.