20. bis 24. Februar Todra Schlucht

Donnerstag 20. Februar

 


In Rissani ist Markttag. Viele Leute, sehr viele Leute. Vor dem Bancomaten eine lange Schlange Marokkaner. Ich bin endlich an der Reihe und ziehe ,oh Schreck falsch gedrückt, nur 300 Drh. Alois:" Damit kann ich ja nicht mal den Tank füllen" . " Ich hab mich nicht getraut die Karte nochmals zu stecken, denn die Wartenden scharrten schon mit den Füssen und mich wieder hinten anreihen mag ich auch nicht". Beim Wegfahren nur 50 m weiter erspähen wir noch 2 Bancomaten und da steht kein Mensch. Also diesmal 2000 Drh. gezogen. Das reicht wieder für eine Woche, vielleicht.

 

Nach Erfoud nehmen wir die Strasse über Jorf nach Tinerhir. Schöne Dörfer, mit grossen neuen Häusern. Es wird überall gebaut. Hier müssen reiche Leute wohnen.

 

Die Foggaras, das ursprüngliche unterirdische Bewässerungssystem, entlang der Strasse ist nicht mehr in Gebrauch, einige sind aber für die Touristen als Sehenswürdigkeit originalgetreu hergerichet worden.

 

Kurz danach steht ein wunderschönes Restaurant mit Garten in der Steinwüste. Wir können nicht widerstehen, obwohl auf dem Parkplatz, einige grosse und viele Kleinbusse stehen und das Restaurant gut besetzt ist mit Touristen aus aller Welt. Trotzdem geht alles sehr speditiv. Das gut geschulte Personal saust nur so rum . Alois:" Frag doch mal jemanden, was die so für eine Wüstentour bezahlen". "Frag doch selber, da kommen grad welche die Berndeutsch sprechen". " Ah..., nein, mag ich nicht". " So, so". Wir werden also wohl nie erfahren, was die für eine solche Tour löhnen.

 

In Tinerhir wenden wir uns sofort Richtung Todraschlucht, haben wir doch gelesen, dass die Führer in dieser Stadt sehr penetrant sind und auf Diskussionen haben wir keine Lust. 

 

Auf dem Campingplatz "le soleil", der heute seinem Namen alle Ehre macht, richten wir uns ein und staunen nicht schlecht, als nach einer Stunde, Sus und Franz, unsere Freunde aus dem Tessin eintrudeln. Das ist ein toller Zufall, wähnten sie uns doch immer noch in Merzouga und wir sie in Tata! Endlich werden wir unser "Feldschlössli" los, das wir ihretwegen aus der Schweiz nach Marokko mitgebracht haben. An der Antlantikküste, soll die Hölle los sein. Auf fast jedem Campingplatz, rappelvoll mit Womos. Wir werden uns wohl Zeit lassen mit dem Westwärtsfahren.

 

 

Freitag 21. Februar 2014

 

Bin früh auf und am Waschen. Alois Freude über meinen Erfolg hält sich in Grenzen. Das gewaschene Geld und die Kreditkarte machen keine Probleme. Die handschriftlichen Passwörter und sonstigen Notizen trocknet und entziffert er in liebevoller Geduldsarbeit fast alle. 

 

Ich stürze mich währenddessen auf den Sand im Womo. Alois:" Willst du das nicht lieber bleiben lassen, es gibt ja schnell wieder neuen Sand und Staub". Ich vermute eher, er möchte mich vor neuen Schusseligkeiten und sich vor Zusatzarbeiten bewahren.

 

Später machen wir uns auf ins Dorf um den Ruhestörer, der tatsächlich nur Pause macht, wenn der Muezzin ruft, aus der Nähe zu betrachten. Die Strasse in die Todraschlucht wird beträchtlich verbreitert.

 

Der Maler auf dem abententeurlichen Gerüst ist in windeseile bei uns unten um sich eine Zigarette abzuholen. 

Samstag 22. Februar

 

Weiterfahrt durch die Todraschlucht, eine eindrückliche, karge Landschaft. Hoch oben in den Felsen wohnen tatsächlich Nomaden. Leider haben wir die Fotos fälschlicherweise gelöscht!

 

In Tamtatoucht ( 1800 mü.M) winkt uns einer wie verrückt vom Restaurant und Campingplatz Amarzigh. Das kann ja nur Franz sein. Ein schöner beschaulicher Ort, in dem wir uns für 2 Tage häuslich einrichten. Wir werden von Hamid und Mustafa 2 Brüdern bestens betreut und kulinarisch verwöhnt.

 

Mit Mustafa machen wir eine Tour durch die halbverfallenen Kasbahs auf der gegenüberliegenden Talseite. Er erläutert uns Gschichtliches und Kulturelles aus dem früher sehr abgeschiedenen Tal. 

 

Am Abend wird der Ofen eingeheizt. Richtig gemütlich beim Abendessen und der nachträglichen musikalischen Unterhaltung.

Sonntag 23.Februar

 

Heute begleitet uns Hamid in die Salzminen. Ein paar Kilometer nach Ait Hani auf 2000 Meter Höhe parken wir unser Wohnmobil und rein geht's ins Tal. Männer mit Mulis vollbepackt mit Salzsteinen und Frauen vollbebackt mit Feuerholz, wie Mulis, (weiss der Teufel von wie weit die das herschleppen, wir sehen nichts grünes) kommen uns entgegen.

 

Nach einer stündigen Wanderung mit kaltem Wind, vorbei am Wasserverteiler für die 2 Dörfer und dem Wasserfall erreichen wir die erste Salzmine. Die ganzen Berge sind mit Gruben versehen. Ca. 4000 Menschen aus 2 Dörfern leben vom Salz, das sie mit mühevoller Handarbeit aus dem Gebirge pickeln. Franz wagt sich in die steile nicht gesicherte Grube hinein. Rutschtst du auf einem der schmalen Tritte aus, fällst du einfach ins Leere. Nichts für uns. Wir, das heisst Franz und Sus besichtigen noch eine andere Mine. Wir warten sicherheitshalber oben. Die Dorfbewohner wollen die Minen auf einfache Art und Weise lieber selber bewirtschaften, als sie einem Konsortium zu verkaufen. Wir bewundern sie für diese Einstellung, haben sie so doch auf Generationen hinaus ein Einkommen.

 

Hamid bereitet uns an einer windgeschützten Stelle ein wunderbares Picknick, bestehend aus marokkanischem Salat, Sardinen, Brot und Mandarinen zu. Sogar Teppiche, zum draufsitzen, hat er im Rucksack mitgetragen.

 

Auf dem Rückweg begegnen uns Karin und Helga mit ihrem Hund, Bekannte von Franz und Sus. Sie haben den Camper von Franz und Sus in Tamtatoucht gesehen und sich entschieden, ebenfalls dort zu campen.

 

Abends sitzen wir dann alle zusammen am warmen Ofen. Unsere neuen und alten Bekannten besuchen noch den Eröffnungsabend der im Dorf stattfindenden Berberhochzeit. Wir verziehen uns an die Wärme im Camper.

Montag, 24. Februar

 


Wind und Kälte haben wir satt, fahren weiter auf der Rundtour Richtung Goulmima, haben  dadurch die schöne, ursprüngliche Berberhochzeitsprozession mit der Braut auf dem Muli und das Schafschlachten verpasst, wie wir später vernehmen. Diese Gelegenheit kommt wohl nie wieder, so ein Pech. " Na, ja hab schon viele Hochzeiten gesehen." meint Alois.

 

Nach kurzer Zeit, in der es noch etwas bergauf geht, fahren wir talwärts. Auch hier erspähen wir wieder Nomaden die in den steilen Felsen mit ihren Familien, samt Tieren ihre Zelte aufgeschlagen haben. 

 

Die Landschaft verändert sich drastisch. Blühende Bäume und viel Grün zwischen den Felsen. Wir durchfahren noch 2 Schluchten, bevor wir aus der Enge in die weite, flache Steinwüste hinausfahren.

 

Schon verschiedentlich kreuzte sich unser Weg mit www.Pumare.de, der tolle Reiseberichte verfasst, die Alois bereits vor unserer diesjährigen Reise mit grossem Interesse las. Er ist mit 2 befreundeten Paaren in ihren Womos unterwegs in Marokko. Zum ersten Mal begegneten wir ihm auf der Fähre in Algeciras. Ein kurzes Schwätzchen mitten im Dorf und jeder fährt seines Weges.

 

Ist eine wunderschöne, eindrückliche Rundfahrt. Schade ist nur, dass auf dieser Strecke vorallem die Knaben zum Teil sehr aggressiv nach Geld und Bonbon betteln. Alois hält an, als ein Junge aus einer Gruppe einen Stein aufhebt. Ich öffne das Fenster, der Stein fällt zu Boden. Ich beschimpfe die Gruppe auf "schweizerdeutsch". Sie starren mich entgeistert an.

Auf der Weiterfahrt schlägt ein Junge mit der Hand gegen das Womo, Alois steigt aus und der Junge macht sich schnellstens aus dem Staub. Die Bonbon Gutmenschen haben anscheinend immer noch nichts dazugelernt. Wie würden sich die Kinder bei uns zu Hause verhalten, würden die Süssigkeiten nur so durch die Gegend fliegen?

 

Wir durchfahren Goulmima und berücksichtigen den Camping "Chez Michelle" nicht. Er ist sicher der Beste in ganz Marokko, aber andere wollen ja auch gelebt haben und so fahren wir direkt weiter nach Tinerhir in den "Camping outri", der einfach aber für uns durchaus gut ist. Wir staunen über die Bautätigkeit in Tinerhir. Im nächsten Jahr wird man die Stadt nicht mehr wiedererkennen.