19.Dezember bis 29.Dezember 2012

Mittwoch 19. und Donnerstag 20.12.2012

 

Wir haben nicht nur die guten Wünsche von Holger und Doris mit in den Süden genommen, nein auch ein paar kleine Grippeviren haben wohl den Besitzer gewechselt. Auf jeden Fall habe ich heute einen ekelhaften Husten, den "Pfnüsel, leichtes Fieber und fühle mich wie gerädert. Meine dummen Sprüche haben sich wohl doch noch gerächt...

 

Am Donnerstagabend dem letzten vor dem Weltuntergang essen wir nochmals ein feines Couscous im Campingrestaurant, gemeinsam mit Udo und Susanne. Er lebt und arbeitet in Andalusien und sie ist aus München. Es wird ein lustiger und abwechslungreicher Abend.  Auch  können wir wieder Reiseerfahrungen austauschen, die nützlich sind für die Weiterreise. So denn die Welt doch nicht untergehen sollte morgen.

 

Freitag 21.12.2012 und Samstag 22.12.2012

 

Da die Welt noch steht fahren wir mit den Fahrrädern soweit es geht und laufen den Rest auf den Hügel hinter dem Campingplatz. Die gleiche Idee haben auch einige junge Marokkaner und Marokkanerinnen. Es werden wohl öfters mal Party's gefeiert in der Bauruine die oben steht. Wir treten den Rückzug an, jedoch nicht bevor wir ein paar Fotos "geschossen" haben.

 

Marokkos Jugend beim Spielen
Marokkos Jugend beim Spielen

Die Jugend spielt auch hier Fussball. Wie fast in jedem Dorf gibt es einen Fussballplatz mit Toren. Zwar ohne Netz und Linien, aber das ist ja auch nicht unbedingt nötig.

Es gibt ganz  tolle Hotels in Zagora
Es gibt ganz tolle Hotels in Zagora

In einem schönen Hotel mit Garten und Pool, in dem wir einen Kaffee trinken, erklärt uns der unterbeschäftigte Besitzer, dass es dieses Jahr extrem wenige europäische Touristen gibt. Die einen haben wohl kein Geld mehr und die anderen Angst vor den Moslems. In anderen Jahren seien auch die Saudis gekommen zur Gazellenjagd in der Wüste, aber auch die blieben aus, warum auch immer. Neben dem Hotel steht auch eine Bauruine, dem Besitzer sei das Geld ausgegangen.

 

Auf dem Heimweg entdecken wir in einer Hoteleinfahrt einen geschmückten Weihnachtsbaum.

 

Erinnert etwas an die Chilbi bei uns
Erinnert etwas an die Chilbi bei uns

Sonntag 23. Dezember 2012

 

Heute ist Markttag in Zagora, das lassen wir uns natürlich nicht entgehen.

Welchen Gemüsestand wollen wir wählen?
Welchen Gemüsestand wollen wir wählen?

Wir brauchen Früchte und Gemüse. Es gibt sehr viele verschiedene Anbieter. Alles sind Früchte aus den umliegenden Oasen. Die werden jeweils in kleine Parzellen aufgeteilt und von den einzelnen Bewohner der Stadt bearbeitet, Analog den Schrebergärten. Was nicht selber verwertet wird, wird nicht wie bei uns den Nachbarn mitgegeben, sondern als wichtiger Zustupf auf dem Markt verkauft.

Es gibt aber auch Kleider und Schuhe. Da wir unsere vermissten Schuhe immer noch nicht gefunden haben, vermuten wir sie auf einem Markt.

sauber geputzte Fahrräder
sauber geputzte Fahrräder

Manch ein Fahrrad, das bei uns auf dem Müll landet, wäre hier noch ein Schnäppchen. Sowieso verkommt hier fast nichts. Alles wird irgendwie noch verwertet.

Es geht trotz allem recht ruhig zu und her
Es geht trotz allem recht ruhig zu und her

Auf dem Parkplatz herrscht ein geordnetes Durcheinander. Eselkarren und Autos schieben sich aneinander vorbei. Es wird aber interessanterweise niemand ungeduldig.

Aufklärungsunterricht vor Ort
Aufklärungsunterricht vor Ort

Manch ein stolzer Besitzer eines Esels, wird sich wohl über den unerwarteten Nachwuchs freuen, aber sicher nicht zu sehr wundern.

verschiedenste Literatur vorallem für Kinder liegt auf
verschiedenste Literatur vorallem für Kinder liegt auf

Hätten wir einen Backofen dabei, hätte ich mir wohl doch noch überlegt Weihnachtsguetzli a la marocain zu backen.... Aber es gibt ja so gute Boulangerien mit allerlei Patisserie....

zuerst habe ich nur die Schuhe gesehen
zuerst habe ich nur die Schuhe gesehen

Wenn bei uns öfter Markttag wäre, wären wohl die Kirchen auch voller. Eigentlich wollte ich nur die vielen Schuhe fotografieren, aus der Hüfte heraus.

Wie immer suchen wir uns einen guten Beobachtungsposten um das weitere Geschehen in Ruhe zu begutachten. Der Polizist sorgt dafür, dass sich die Eselkarren unbeschadet in den Verkehr einreihen können

meine Bewunderung ist grenzenlos
meine Bewunderung ist grenzenlos

Es ist immer wieder sehr erstaunlich zu sehen, wie akrobatisch die Frauen ihre Lasten tragen und dabei noch so würdevoll wirken.

Da werden wohl noch europäische Gäste erwartet.
Da werden wohl noch europäische Gäste erwartet.

So wie es aussieht, treffen doch noch Gäste ein. Wir hoffen nur die machen sich möglichst weit draussen in der Wüste ihren Spass, ansonsten ist es vorbei mit der Ruhe.

Beine hoch tut gut
Beine hoch tut gut

Auf jeden Fall, haben wir nach so einem "anstrengenden" Markttag etwas Entspannung und Ruhe verdient.

Montag, 24.Dezember 2012

 

Jetzt ist er da, der spezielle Tag, der die meisten Touristen so unruhig hat werden lassen in den letzten Tagen. Alle sind auf der der Suche nach Gleichgesinnten und zwar vielen Gleichgesinnten. Ob zum gemeinsamen Singen, Essen oder sich gegenseitigem Wärmen wissen wir nicht so genau. Aber leider sind anscheinend in diesem Jahr wirklich weniger Christenmenschen in Marokko unterwegs als in anderen Jahren.

 

Wir haben noch gar keine konkreten Pläne. Erstmal die Post erledigen und dann in die Stadt mit den Fahrrädern.

 

Nach einer Pizza mit marokkanischen Gewürzen, die heute gar nicht so richtig schmeckt, besuchen wir zuerst mal die Konditorei.

 

Da wir uns entschieden haben, selber zu kochen, siehe oben Gewürze... fragen wir in einer Metzgerei nach Lammfleisch. Das haben sie heute nicht, er nimmt ein riesiges Stück Rindfleisch aus dem Kühler und fragt wieviel er uns abschneiden soll. Ich hab irgendwie gar keine Lust mehr, also fleischlose Kost heute abend.

 

In einem der märchenhaften Hotels trinken wir einen Tee und fragen nach der Speisekarte nur "zum Gucken, nicht zum Essen". Vielleicht gibt es ja hier ein weihnachtliches Menu. Aber das teure 3 Gänge Menu für 15 Euro beinhaltet das selbe wie überall.  Vielleicht sitzen wir dann ganz alleine im zwar schönen Dekor und frieren womöglich . Und für's Gemüt haben wir ja die Guetzli!

 

Zurück auf dem Campingplatz staunen wir nicht schlecht, ist es doch auch hier dekoriert und das Beduinenzelt wirkt richtig heimelig. " Erwartet ihr noch viele Gäste?" " Das gehört einfach dazu, das machen wir immer so". Soviel Bemühen muss doch belohnt werden.  Wir bestellen Rinderspiesschen zum Nachtessen.

 

Wir laden die einzigen Mitcamper, einen Engländer mit seinem ca. 10-jährigen Sohn zu Kaffee und Guetzli ein. Der Junge scheint Weihnachten zu Hause gar nicht zu vermissen. Wie immer werden Reiseerfahrungen ausgetauscht und nützliche Erkenntnisse gewonnen.

 

 

Der Tisch ist schön gedeckt mit Kerzen und rotem Tischtuch. Die Lichterkette am "Christbaum" ist erleuchtet und es ist sogar angenehm warm im Zelt.

 

Das 3 Gänge Menue für 7 Euro besteht aus Berbersuppe, feinen nicht zähen Spiessli Gemüse und Früchten. Dazu gibt es noch Datteln, eingelegte Feigen und Oliven.

 

Wir laden die  anwesenden Herren zum Guetzli essen ein. Es scheint sie zu freuen, denn sie bringen Tee und ihre Trommeln mit und singen uns ihre Weisen vor. Es ist richtig ergreifend und ein wirklich schönes und gemütliches Weihnachtsfest.

 

 

Dienstag 25.Dezember 2012

 

Eigentlich möchten wir heute die ehemalige Synagoge mit der Silberschmuckherstellung besichtigen, aber wir sind noch nicht recht am Ort, werden wir schon von Führern bedrängt.  Dies geht uns dermassen auf den Keks, dass wir unverrichteter Dinge wieder aus Amzrou abdüsen und in Zagora wie gewohnt in einem der Restaurant's am Kreisel das Mittagessen einnehmen. Heute sind sehr viele Busse, Jeeps und sogar ein ganzer Car voll Touristen unterwegs, wahrscheinlich die Feiertagstouristen

 

Bei unserer Rückkehr auf den Campingplatz, ist dieser fast voll besetzt. 2 deutsche Wohnmobile, 2 Oesterreicher mit Geländewagen und ganz viele kleine Zelte mit 2 Begleitfahrzeugen , die zu  einer Gruppe von Fahrradtouris gehören. Die Engländer sind auch noch da. Alois meint, das sei jetzt aber schon ein bisschen viel auf's Mal und macht sich schon Sorgen, ob Ingrid und Klaus wohl noch Platz finden, wenn sie aus dem Erg Chebi zurückkommen. Das junge Pärchen mit dem Kleinkind ist inzwischen auch wieder zurück aus den Dünen und findet mit dem Wohnmobil nur noch knapp einen Platz

 

Das Museum befindet sich irgendwo in diesen Mauern
Das Museum befindet sich irgendwo in diesen Mauern

Mittwoch 26.Dezember 2012

 

Gestern hat es ja mit der Kultur nicht so richtig geklappt, also machen wir heute nochmals einen Versuch. Wir schwingen uns auf die Räder und fahren in eine Museumskasbah ca.3 km vor Zagora.

Die Kinder wurden von einem Erwachsenen bereits weggescheucht
Die Kinder wurden von einem Erwachsenen bereits weggescheucht

Dank guter Beschilderung, finden wir den Eingang in die Museumskasbah ohne Probleme. Ansonsten besteht innerhalb der Ksarmauern keine Chance, ohne Hilfe

Die Erklärungen gibts auf arabisch und französisch
Die Erklärungen gibts auf arabisch und französisch

Wir bekommen 2 Tickets für je 2 Euros. Der Museumswärter zündet überall die Lampen an und lässt uns allein. Er würde die Fahrräder bewachen, damit sie nicht von den Kindern beschädigt würden.

 

Alle Räume sind liebevoll gestaltet. Die Werkzeuge unterscheiden sich jedoch nicht wirklich von unseren, stellt Alois fachmännisch fest.

Für mich wär das nichts gewesen
Für mich wär das nichts gewesen

Das Geburtszimmer unterscheidet sich aber schon sehr von unseren. Einzig das Hängen am Seil, kennen einige von uns die alternativ geboren haben.

In den Mauern ist es angenehm kühl und auf der schattigen Terasse könnten wir länger verweilen.

 

Heute werden die modernen Häuser mit Beton gebaut. Sie werden zwar nicht von Wind und Wetter zerstört wie die traditionellen Lehmhäuser, aber das Klima in ihnen ist nicht gut. Im Winter ist es drin sehr kalt und im Sommer dafür umso heisser.

 

 

Es ist fast stockdunkel. Nur der Blitz vom Fotoapparat erhellt die Szene
Es ist fast stockdunkel. Nur der Blitz vom Fotoapparat erhellt die Szene

Nach dem wir uns im Gästebuch verewigt haben, suchen wir den Weg durch die stockdunklen schmalen Gänge nach draussen wieder. Diese verwinkelten überdachten Gänge sind nicht nur ein Schutz gegen die Sonne und die Kälte, nein auch Eindringlingen wird die Orientierung sehr schwer gemacht.

Zum Teil haben die Schüler sehr lange Wege.
Zum Teil haben die Schüler sehr lange Wege.

Wieder draussen ist die Schule aus und die Jugendlichen strömen nach allen Seiten aus. Bonjour, ca va? tönt es von überall und wir werden fast nicht fertig mit grüssen. Ein paar Jungs wollen mit uns ein Rennen machen mit den Rädern, doch gegen unsere Flyer haben sie trotz ihrer Jugend keine Chance gegen uns alte Knacker.

Wäschetag
Wäschetag

Donnerstag 27.Dezember 2012

 

Heute machen wir wieder mal einen Putz-, und Waschtag. Beim Waschen kommt erstmals der Franz mit dem Velo von einem anderen Campingplatz in Zagora und meint seine Frau sei auch am Waschen, jedoch mit der Maschine. Er und seine Frau werden auch am Silvesterevent teilnehmen mit Edith Kohlbach. 

 

Am Nachmittag kommt er wieder mit seiner Frau Susanne. Die Wäsche sei irgendwie verschwunden mit samt der Maschine, aber wie es so ist in Marokko kommt sie sicher irgendwann wieder zum Vorschein.

 

Da Jonathan, ein Alleinreisender ins Appenzell ausgewanderter Aargauer heute Geburtstag hat, gibt es eine lustige kleine spontane Feier mit Weisswein und Bier. Wir erfahren ganz zufällig, dass wir den Cousin ( Pius mit Ehefrau) von Franz in Tunesien in der Oase Ksar Ghilane kennen gelernt haben. Er hat uns dazumal SFr. in Dinar umgewechselt, damit wir noch 2 Tage länger in der Oase verweilen konnten. Die Welt ist doch sehr klein. Leider haben wir es versäumt ein Foto zu machen.

Sogar Quads finden den Weg auf unseren Campingplatz
Sogar Quads finden den Weg auf unseren Campingplatz

Freitag 28.Dezember 2012

 

Es ist ein Kommen und Gehen auf dem Platz, wirklich kurzweilig. Am Morgen verschwinden die meisten Camper, Geländewagen, VW-Busse und Motorräder um gegen Abend wieder durch neue ersetzt zu werden.

 

Alois macht sich bereits Notizen, als Gedächtnisstütze für die verschiedenen neuen Bekannten. Es  werden uns Grüsse von Abgereisten durch Neuankömmlinge  ausgerichtet plus die dazugehörigen Reiseberichte. Auch haben wir schon etliche Teilnehmer des Silvesterevents kennengelernt.

 

Fairerweise muss ich zugeben, dass ich nun ebenfalls den Sch... habe. Bin aber nicht so überzeugt, dass ich den vom Essen habe. Ich habe nämlich ein Medikament eingekauft, dass die "Schleimmonster" verflüssigen soll, aber wahrscheinlich verflüssigt dieses jegliche Ausscheidungen. Jetzt getraue ich mich nicht mehr das Medikament zu nehmen, zumal wir ja in Bälde in die Dünen fahren. Habe aber gleichzeitig Angst eine Nebenhöhlenvereiterung oder so zu bekommen. Na ja kommt Zeit kommt Rat. Ich fühle mich aber bedeutend besser, als es hier gemäss meinem Gejammer den Anschein macht.

Alois wäre schon bereit für den Marathon
Alois wäre schon bereit für den Marathon

Samstag 29. Dezember 2012

 

Wir spielen Boule mit den marokkanischen Campingbetreuern und es ist ziemlich ausgeglichen. Die Marokkaner sind nur mit einem Spiel im Vorsprung.

 

Morgen findet hier in Zagora ein Marathon statt. Wir "müssen" leider dann ins 100 km südlich gelegene  M'Hmid fahren, von wo aus der Silvestertripp am 31. Dezember nachmittags mit Geländewagen startet. Vielleicht sehen wir aber doch noch etwas vom Marathon.