15.November bis 18.November 2012

Donnerstag 15.November 2012

 

Heute gehts mit dem Velo auf die andere Seite der Küste entlang bis zum neuen Marinehafen. Wir stehen, sehen und staunen. Alles ist neu, modern und mondän. Für Marokko Neueinsteiger eignet sich diese Küste sehr gut. Steht doch die Freundlichkeit und "noch" nicht die Abzocke im Vordergrund, wie an der Antlantikküste.

 

An der ganzen Küste wird zwar häufig spanisch und weniger französisch gesprochen. Es macht mir aber extrem Spass auf französisch drauflos zu "plappern" und mich immer besser verständigen zu können, so dass ich mich mit neuer Kraft auf das Spanisch stürzen möchte, für spätere Einsatzmöglichkeiten, zwecks siehe oben. Im Internet flugs einen Kurs gekauft "Rosetta stone",dieser erscheint mir einfacher, als den den ich angefangen habe in der Schweiz ( war dafür gratis). Gezahlt und draufgeladen und starten, jedoch geht es nicht weiter, da ich kein Headset habe, alsooooo....

 

...auf in den Souk an der algerischen Grenze. Auf den ersten Blick traue ich mich nicht rein, will Alois aber nicht alleine lassen," hier sind ja nur Männer". Stimmt schon, aber nicht unter den Blachen, denn dort befindet sich ein riesiges "Einkaufscenter" wo es alles gibt was das Herz begehrt. Von Gemüse und Früchten über das Waschmittel, den Knorr Bouillonwürfel, Handy's, IPod-Zubehör, Fernseher und natürlich auch das gesuchte Head-Set . Die Auswahl fällt schwer, denn es gibt verschiedene Marken. Endlich kaufen wir eines für 10 Euros und testen es im Camper sofort. Es funktioniert!!!

 

Hier sprechen sehr viele Menschen Deutsch. "Bruder in Frankfurt"," Cousin in Dortmund","ein Jahr in der Schule gelernt". Es ist tatsächlich so, dass viele von hier aus emigrieren.

 

 

 

 

 

Freitag 16.November 2012

 

Alles gepackt und weiter Richtung Berkane. Wir denken, dass die Strassen sicher wieder trocken sein werden und wir durch die Zegzel- Schlucht fahren können, diese soll sehr eindrücklich sein  mit der Quelle, der Kamelgrotte und der Taubengrotte und auch gute Uebernachtungsmöglichkeiten bieten. " Passt auf dort hat es Diebe" gibt uns unser Campingwächter noch mit auf den Weg.

 

Aber zuerst die übliche Polizeisperre passieren. Wir werden wie bis jetzt immer freundlich durchgewunken.

 

An einer "freien" Tankstelle" ( geschmuggelter Treibstoff aus Algerien, interessiert die Polizei jedoch nicht) noch schnell den Tank gefüllt ( 40 Cent pro Liter, anstatt 80 Cents), Alois könnte das Lachen ja noch vergehen, wenn das Mobil seinen Dienst verweigert! Aber nein es läuft wie ein Oergeli.

 

In Berkane wird unser Selfmade- Esstisch verschönert und optimiert.

 

Bei der Einfahrt in die Schlucht das Schild "gesperrt nach 300m".

"Fahren Sie ruhig rein zum schauen" fordert uns der freundliche Bauer auf. Wir machens, wie soviele andere Schaulustige auch, obwohl Alois schon ein bisschen mulmig ist, wegen dem Wenden und so...

 

"Probiert es doch von der anderen Seite, sicher klappt es von Taforalt aus", was wir auch machen.

 

Nach einer halben Stunde Fahrt, daselbe Schild....

...also erst mal Mittagessen im Ausflugsort Taforalt. " Wollt ihr zur Quelle? Das ist kein Problem, ihr müsst einfach danach wieder bis hierher zurückfahren". Also auf zur Quelle. Wir sind ja mehr als beeindruckt. Wo der gesperrte Eingang zur Kamelgrotte ist, schiesst das Wasser nur so  heraus. Die Quelle wirkt dagegen klein und unscheinbar, wie dies wohl mit den meisten Anfängen ist.

 

 

Uebernachten ist nicht, darum weiter nach Tafraouit. Das Handbuch verspricht einen sehr gepflegten "Place de Repos", diese Rastplätze wurden von einer Stiftung für die Heimkehrer aus Europa angelegt. Es gibt eine Krankenstation, einen Laden, ein Selbstbedienungsrestaurant, Pikniktische und sehr gute Sanitäranlagen mit warmen Wasser! Die Uebernachtung ist gratis, auch für alle anderen. Ich habe im Marjane- Einkaufszentrum einen Solidaritätsbutton gekauft, ohne zu wissen für was.( Dachte es sei was für die Unterstützung der Frauen)

 

Aber zuerst wird die Gegend flach und weit. Es ist eine Hochebene die sich erstreckt so weit das Auge reicht oder eben nicht reicht..

 

Der Speicher des Fotoapparates ist voll, ich muss laufend Fotos löschen." Alois ich kann die Schönheit der Gegend nicht einfangen"

 

Alois'es Spruch des Tages:"Kann man auch nicht, muss man erleben"

 

Wir durchqueren Tafraouit und finden den oben  hochgelobten Platz. Alles ist ziemlich runtergekommen, gar kein Wasser, geschweige den warmes. Bin einmal mehr froh um unsere immer tip-top geleerte Toilette. Danke Alois! Nachts ist keine Menschenseele mehr auf dem Platz. Es ist stockdunkel. Nur die Hunde bellen von Zeit zu Zeit lautstark um den Camper rum. Wir schlafen nicht so tief wie sonst.

 

 

Samstag 17. November 2012

 

Wir sind ziemlich früh auf den Beinen und ....schon bringt uns der Wächter des Platzes auf einem Tablett frischen Pfefferminztee!!! "Ja wir seien die Einzigen gewesen die übernachtet haben. Seine Hunde antworten halt auf das Gebell von andern Hunden in der Umgebung. Im Sommer seien viele Leute hier und die Laternen funktionieren nicht, wegen der zurückliegenden Unwettern". Er lehnt ein Trinkgeld für den Tee ab.

 

Welche Route wählen wir? Kein für uns annehmbarer Tipp im Handbuch.

"Isch doch glich, mir fahred eifach los, isch fruehner au gange"

Wir nehmen die Strasse nach Debdou. Also retour durch Tafraouit, wo wir noch tanken möchten, denn es liegt eine beträchtliche Strecke vor uns, die recht unbewohnt aussieht.  Wir werden von einem Verkehrspolizisten aufgehalten:" Sie haben einen Fehler gemacht" "Oh pardon, was denn?" " Den Rechtsvortritt verweigert" Wohlverstanden im Kreisel. Ich blaffe Alois an: " Du hast einen Fehler gemacht!" Der Polizist wird sehr freundlich und winkt uns weiter.

 

Wir fahren über die weite Hochebene. Hier kann man sich gut die alten Karawanenwege vorstellen.

 

In Debdou versuchen wir Diesel zu bekommen, haben dies nämlich dann doch vergessen. Es gibt in der ganzen Ortschaft heute keinen. So ein Pech. Also weiter auf gut Glück. Richtung Tendera. Zuerst steil bergan. Die Gegend wirkt von oben wie aus dem Flugzeug. Wir sind inzwischen auf 1600 m über Meer. Aber das Unwahrscheinlichste erwartet uns oben. Ein Hochplateau wie wir es noch nie gesehen haben. Diese  Fläche und Weite, mit landwirtschaftlichen Betrieben auf beiden Seiten und viele, viele, viele Schafherden. Sehr wenige Autos und noch mehr Weite.

 

Der Genuss wird immer kleiner, da der Tank immer leerer wird. Aber hier müssen doch die Menschen auch Diesel haben, schliesslich sehen wir Traktoren auf den Feldern, aber keine Tankstelle weit und breit. Im einzigen Dorf fahren wir über den Schotterweg und fragen bei den Hütten nach Diesel. Ja selbstverständlich. Ein 30 Liter Bidon für 18 Euros? Wird hätten auch beträchtlich mehr gezahlt. Wir nehmen noch den Militaristen mit, der besser nach Seife duftet als wir und laden ihn auf der Strecke bei seinem Posten im "Nichts" ab.

 

 

 

Wir erreichen Tendara, werden vom Militärposten auf die Seite gewunken und freundlich nach dem "Fiche" gefragt. " Haben wir nicht", ah wir haben doch das Formular zur Ausreise aus Marokko bereits ausgefüllt. "Ah, sehr gut" Es wird vervollständigt mit den verschiedenstensten Angaben. Dann wünschen uns die freundlichen Beamten eine gute Weiterfahrt. "He, Moment, wenn Ihr den Fiche behaltet, haben wir ja für die nächsten Beamten nichts" " Aha, wartet bitte einen Moment" Er geht ins Häusschen und schreibt alles ab. Danach entschuldigt er sich noch, dass es so lange gedauert hat.

 

In Tendara gibt es ein Omelett, Thon an Tomatensause, 2 Fladenbrote, Mineralwasser und einen Tee für umgerechnet 3 Euro! Trinkgeld wird kategorisch abgelehnt. Wir lernen.

 

Auf der Weiterfahrt verändert sich das Gelände und wird schon wüstenähnlich.

Der Verkehr nimmt auch wieder zu, da wir nun auf der Nord-Süd Route Nahe der algerischen Grenze entlang fahren.

 

Bei der Einfahrt in Bouarfa werden wir von den Polizisten freundlich begrüsst und willkommen geheissen und nachdem woher und wohin gefragt. Wir erkundigen uns nach einem Campingplatz."Fahrt zum Hotel Clima dort gibt es Camping". Danke und tschüss. Hier werden wir zum ersten Mal von Kindern angebettelt. Diese werden aber rassig von den Erwachsenen fortgejagt.

 

Sonntag 18. und Montag 19. November 2012

 

Wir ruhen uns aus. Fahren mit dem Rad durch die Ortschaft.Besuchen den wöchentlichen Souk und lassen es uns gutgehen und beobachten die Szenerie um uns rum.

 

Die verschiedensten Menschen. Gut gekleidete in Lederjacken und Lackschuhen, Businessmänner mit Krawatte und Mantel, einfach gekleidete oder auch ziemlich zerlumpte. Gut gekleidete Schüler, Mädchen mit und ohne Kopftücher. Eselkarren, Traktore und Mecedes. Es scheint ein friedliches neben und miteinander.

 

Morgen geht es vermutlich weiter nach Iche. Ein fast unbekanntes Oasendorf an der Grenze.