08.Januar bis 11.Januar 2013

Dienstag 08.Januar 2013

 

Heute verlassen wir Tata und fahren weiter Richtung Süden. Dahkla an der Mauretanischen Grenze sparen wir uns für die nächste Marokkoreise auf und entscheiden uns für Icht als südlichsten Punkt unserer Marokkoreise.

 

Icht ist ein hübscher Oasenort. Der Campingplatz Amerdoul ist klein aber oho. Ahmed der Verwalter heisst uns mit Tee willkommen und erklärt uns, dass dieser wirklich bio ist, ansonsten bekomme man in Marokko vom Tee nur Bauchweh, da er soviel Chemie enthalte. Er will uns in einer Stunde das alte Dorf zeigen, indem nur noch 3 Familien leben, der Rest ist dem Verfall preisgegeben. Wir freuen uns darauf, ruhen uns aus und geniessen das Vogelgezwitschere in der Oase.

 

Durch die Oase gehts rauf zum Dorf, wir überqueren den Oued, der staubtrocken ist. Es habe seit 2 Jahren nicht mehr geregnet. Zum Glück, haben sie genügend Grundwasser, so dass noch keine Wasserknappheit herrscht.

 

Durch eines der 3 kleinen Tore gelangen wir ins alte Dorf, wo es stockdunkel ist, zum Schutz vor Kälte und Hitze und zu früheren Zeiten auch als Schutz vor Angreifern. Wir brauchen die Taschenlampen, und kleben ganz dicht an Ahmed, damit wir nicht Gefahr laufen die nächsten Jahre in diesen Gängen herum zu irren. Irgendwo inmitten der Dunkelheit werden wir in ein Haus gebeten und dürfen dieses besichtigen. Hier wohnt eine Familie auf 3 Stockwerken mit den Tieren im kleinen Innenhof. Sehr einfach und  beschwerlich. Auf der Terasse die Satellitenschüsssel, für uns öfters mal das einzige Zeichen, das ein Haus bewohnt ist.

 

Vor kurzem war ein marokkanisches Fernsehteam in Icht, das mit Unterstützung von Ahmed eine Reportage gemacht hat, dabei wurde auch in diesem Haus gefilmt. Unser Führer ist also ein Fernsehstar dem es ein grosses Anliegen ist die Gegend touristisch bekannt zu machen.

Mittwoch, 09.Januar 2013

 

Ahmed hat uns versprochen, vormittags die prähistorischen Felszeichnungen zu zeigen. Doch es haben sich noch Gäste für das Mittagessen angemeldet, also verschieben wir den Fahrradausflug auf den Nachmittag. Zeit zum Wäsche waschen und den Camper im Inneren etwas zu entstauben.

 

Unser Internetzugang von Maroctelecom wurde genau nach einem Monat gekappt, also versuchen wir unseren Stick wiederaufzuladen, mit Hilfe des netten Platzbesitzers, der sich auch eingefunden hat um zu erfahren, was Edith Kohlbach in ihrem Marokkohandbuch über den Camping Amerdoul geschrieben hat. Ich übersetze ins Französische so gut ich kann. Ahmed und der Platzbesitzer sind sehr zufrieden über das Geschriebene. Ueber ein Foto hätten sie sich aber auch sehr gefreut, wie mir scheint. Schlussendlich hat es nicht funktioniert mit dem Internetzugang, obwohl es "gar kein Problem" ist und wir 20 Euro los sind.

 

Am Nachmittag geht es los, so schnell, dass ich noch nicht mal die Zeit habe, den Akku am Rad zu wechseln, also wird nach kurzer Zeit ohne Hilfe geradelt, ist zwar gesund, aber nicht wirklich bekömmlich, denn wir fahren auf der Piste und da ist es doch ganz schön anstrengend.

 

Alleine würden wir die Felsgravuren nicht finden, sind sie doch überall verteilt. Aber wenn sie denn wirklich so alt sind, ist es verständlich, dass viele nach Aussage von Ahmed abgeschlagen und weggebracht wurden. Auch jetzt fehlt häufig irgendwo ein Felsbrocken mit Gravuren. Ich vermute, dass auch auf wunderbare Weise wieder neue rumliegen. Alois sagt dass ich das nicht sagen, geschweige denn schreiben darf.....Es ist auf jeden Fall ein lehrreicher und eindrücklicher Nachmittag.

 

 

Donnerstag 10.Januar 2013

 

Uns zieht es weiter nach Westen. Wir machen einen Abstecher nach Amtoudi, wo eine der ältesten Speicherburgen Marokkos aus dem 12.Jahrhundert noch gut erhalten ist und besichtigt werden kann. Wir sind schliesslich jetzt so fit, dass wir uns den Aufstieg zutrauen.

 

Wir sehen die ersten Arganienbäume auf der Strecke und tatsächlich eine Ziege auf dem Baum. Zur Sicherheit wird diese fotografisch festgehalten, wissen wir doch nicht, wie kletterfreudig ihre Artgenossen auf unserer weiteren Reise sind.

 

Beim Camping in Amtoudi wird parkiert und sofort mit dem Anstieg begonnen. Irgend etwas haben wir denn doch versäumt, ist doch oben das Tor fest verschlossen und der Wärter nirgends zu sehen. Sonst ist doch immer irgendwo ein Berber in der Nähe, aber hier nichts....... und wieder nichts....

wir sind wohl von der falschen Seite aufgestiegen.

 

In den Speicherburgen wurden in früheren Zeiten nicht nur Nahrungsmittel und Wertgegenstände aufbewahrt, sondern diese dienten auch als Rückzugsort bei Angriffen. In diesem Agadir befinden sich über 70 Zimmer, die bis jetzt in Privatbesitz der einzelnen Dorfbewohner sind und auch Zisternen mit Wasser für eine längere Belagerung.  Die Region wurde jeweils vom Agadir aus durch Wächter in 3 Türmen auf alle Seiten überwacht.

 

Der Aufstieg hat sich aber auf jeden Fall gelohnt, da die Aussicht einmalig ist. Wir steigen auf der anderen Seite hinunter ins alte Dorf und hier werden auch die Handwerkserzeugnisse auf dem Weg für uns ausgelegt. Wir erstehen eine Arganienseife und eine geflochtene Früchteschale von einer freundlichen Marokkanerin.

 

Unten in der Oase sehen wir, das der Frühling Einzug hält, denn es blühen die Mandelbäume ( ohne Gewähr). Es ist schon erstaunlich wie ohne echten Winter, der Frühling kommt.

 

Wir wären gerne noch in diesem schönen Tal geblieben, aber auch hier geht gar nichts mit Internet, also fahren wir wieder raus aus dem Tal. Damit wir nicht den ganzen Weg zurückmüssen, nehmen wir eine Abkürzung im Städtchen vorne. Sehr gut die Strasse ist durchgehend geteert. Leider fahren wir an der Hauptstrasse auf die verkehrte Seite und landen wieder beim Abzweiger Richtung Amtoudi. Also wieder kehrt und Richtung Guelmin, wo wir endlich das Internetproblem anpacken wollen, schliesslich ist es ja eine grosse Stadt mit einem tollen Campingplatz.

 

"Bist du sicher, dass du weisst, wo der Campingplatz liegt?"" Klar direkt beim Ortseingang links!" "Komisch, keine Tafel Campingplatz in der ganzen Stadt. Ich habe im Derr- Handbuch auch nichts gelesen vom Campingplatz." Irgendwann merken wir, dass es schon der richtige Campingplatz wäre, aber leider die falsche Stadt. Goulmima und Guelmin sind eben doch 2 verschiedene Städte. Wir fahren also zum Thermalbad, das 12 km von Guelmim entfernt liegt und installieren uns für die Nacht, da der Kühlschrank immer noch nicht mit Gas funktioniert und wir auf Strom angewiesen sind. Gemischtes Bad ab 19.00 Uhr in der Männerbadi. Supi. Leider verpassen wir die Zeit, denn um 20.00 Uhr wird schon geschlossen. Vielleicht ist dies sowieso gesünder, wer weiss.

 

Freitag 11.Januar 2013

 

Da wir nicht mehr in die grosse Stadt wollen und annehmen, dass wir am Freitag vormittag sowieso keinen offenen "Internetflickladen" dort  finden, fahren wir weiter Richtung Meer. Ich habe den Eindruck es riecht schon nach Ozean, obwohl ich ihn noch lange nicht sehe. Die Hänge sind bedeckt mit den verschiedensten Kakteen, so stelle ich mir Mexiko vor. Auch hat es Arganienbäume und Ziegen, aber nicht Baum unten Ziege oben, vielleicht ist es nicht die richtige Jahreszeit, oder sie haben den Ziegen, das Betreten verboten!?

 

Wir erreichen Sidi Ifni und stellen erstmal fest, dass es nur so von Womos wimmelt. Wir suchen uns einen Stellplatz mit Meersicht, dabei treffen wir auf  Sylvia und Reiner,  Bekannte vom Silvesterevent . Lauschen der Brandung und beobachten und bestaunen die jungen Leute beim Wellenreiten. Wir essen feinen Fisch in dieser bis 1969 spanischen Kolonialstadt. Der spanische Flair ist immer noch erhalten.

 

Danach versuchen wir im Maroctelecom Geschäft Hilfe für unser Internetproblem zu bekommen. Weit gefehlt, wir sollen doch noch eine Simkarte kaufen... oder am Montag beim Administrator auf der anderen Strassenseite um Hilfe bitten. Eine Kundin fragt uns, ob wir Schweizer seien und zeigt uns ihren Schweizerpass. Sie ist vor vielen Jahren zusammen mit ihren Eltern in die Schweiz ausgewandert und verbringt zurzeit mit ihrem Bruder 2 Wochen in ihrer Heimatstadt Sidi Ifni. Schade sprechen sie nur ein paar Brocken schweizerdeutsch, da sie in der Westschweiz leben. Endlich wird unser Internetproblem von diesen liebenswerten Schweizern mit marokkanischen Wurzeln gelöst, wir haben für einen weiteren Monat Zugang über Marotelecom. Leider funktioniert der Stick aber nicht auf dem Campingplatz und ich bearbeite die Seite im Restaurant, wo es Wifi hat. Um 22 Uhr wird das Licht gelöscht und wir nach draussen komplimentiert. Wir staunen. Scheinbar werden hier die Trottoire schon so früh hochgeklappt, obwohl es soviele Touristen und überhaupt junge Leute auch Marokkaner gibt. Kein Nachtleben.